Nach fast drei Jahrzehnten verlässt Reed Hastings, der maßgeblich die Entwicklung von Netflix prägte, das Unternehmen. Sein Abgang erfolgt in einer Phase intensiver Veränderungen im Streaming-Markt: Der frühere Boom hat sich gelegt und die Konkurrenz verschärft sich. Digitalredaktor Guido Berger beleuchtet die Strategien von Netflix unter diesen Umständen.
Guido Berger, Historiker mit einem Hintergrund in der Programmierung, trat 2006 der SRF Digitalredaktion bei und erklärt seitdem digitale Technologien sowie Games dem Publikum. Seit 2011 leitet er die heute vierköpfige Redaktion.
Netflix sammelt eine Vielzahl an Inhalten: Eigenproduktionen oder lizenzierte Inhalte, oft exklusiv, zeitlich befristet oder in bestimmten Regionen verfügbar. Ziel ist es, den Nutzern ein umfangreiches und stark personalisiertes Angebot zu bieten.
Die Konkurrenz von Netflix hat schnell zugenommen, da andere Anbieter annahmen, Netflixs Ansatz sei fehlerhaft und besser machbar. Disney fokussiert sich auf eigene Lizenzen für Inhalte, während Apple in kostenintensive Eigenproduktionen investiert. Doch bislang konnte keiner dieser Konkurrenten den Erfolg von Netflix erreichen, der zeigt, dass ein umfangreiches Angebot entscheidend ist.
Die Blütezeit des Streaming-Dienstes liegt hinter uns. Netflix reduziert Kosten und streicht Inhalte schneller, einschließlich Serien. Vertikale Videos sind geplant, um mit Plattformen wie YouTube, TikTok und Instagram konkurrieren zu können. Die Herausforderung besteht darin, zwischen der Bindung bestehender Kunden durch beliebte Serien und dem Gewinn neuer Kundengruppen durch neue Produktionen abzuwägen.
Der Streaming-Markt ist überfüllt mit Inhalten, die um begrenzte Aufmerksamkeit konkurrieren – ein Problem verstärkt durch Künstliche Intelligenz. Eine Alternative könnte der Fokus auf große Live-Events sein, was Netflix bereits in den Bereichen Comedy, Musik und Sport praktiziert und so eine Annäherung an traditionelles Fernsehen vollzieht.
Netflix hat das Streaming revolutioniert, indem es Filme und Serien on demand über ein Abomodell zur Verfügung stellt. Ursprünglich startete Netflix als physischer Filmverleih, der DVDs per Post verschickte. Nach dem Erfolg von YouTube erkannte Netflix das Potenzial des digitalen Streamings und wechselte in den frühen 2000er-Jahren dazu.