Der Technologiekonzern Meta, der hinter Plattformen wie Instagram, Facebook und WhatsApp steht, setzt auf umfassende Überwachung seiner Angestellten. Ein verdeckt laufendes Programm auf allen Unternehmens-Laptops sowie in internen Anwendungen erfasst jede Mausbewegung, jeden Klick und jedes getippte Wort. Die gesammelten Daten dienen zur Schulung von KI-Agenten, damit diese menschliche Arbeitsweisen am Computer nachvollziehen können. Dies berichtete Reuters zuerst.
Viele Mitarbeiter betrachten dieses Vorgehen kritisch und befürchten laut anonymen Aussagen gegenüber Reuters und BBC eine spätere Ersetzung durch KI-Agenten. Meta plant, ab dem 20. Mai weltweit rund zehn Prozent seiner Belegschaft zu entlassen, wobei weitere Reduzierungen möglich sind.
In einem internen Memo beschreibt CTO Andrew Bosworth den Plan, dass KI-Agenten in Zukunft die Hauptarbeit übernehmen sollen und menschliche Angestellte diese Systeme lediglich steuern und optimieren müssen. Die Agenten lernen dabei, Fehler zu korrigieren und ähnliche Situationen zukünftig besser selbstständig zu lösen.
Zudem sollen sie verstehen, wie Menschen grafische Oberflächen nutzen, wie das Öffnen von Websites oder das Ausfüllen von Formularen. SRF-Digitalredaktor Guido Berger erläutert: «Solche Aufgaben stellen für die Systeme heute noch eine Herausforderung dar.» Langfristig könnten KI-Agenten selbstständige Einkäufe übernehmen, wie etwa den Kauf einer weißen Hose bei H&M.
Das Programm erstellt regelmäßig Screenshots und zeichnet jede Interaktion auf, was Berger als nahezu vollständige Überwachung der Computertätigkeit beschreibt. In der Schweiz wäre eine solche Praxis laut Berger illegal, mit wenigen Ausnahmen wie im Finanzhandel oder Militär.
Berger sieht Meta’s Ansatz als Zeichen für den enormen Druck innerhalb der Branche, schnellere Fortschritte zu erzielen – selbst bei Methoden, die früher unüblich waren. Meta verspricht, sensible Daten besonders zu schützen und betont, dass sie nicht zur Leistungsbewertung genutzt werden. Diese Zusicherung wird von einigen Mitarbeitern, so Berger, jedoch bezweifelt.
Seit Jahren treibt der Konzern seine KI-Initiativen voran. Letztes Jahr investierte CEO Mark Zuckerberg 14,3 Milliarden Dollar in das Start-up Scale AI, spezialisiert auf KI-Training. Gleichzeitig baut Meta neue Teams aus, die an Systemen arbeiten, die komplexe Aufgaben eigenständig übernehmen sollen – bis hin zur Entwicklung einer ‚Super-Intelligenz’, die menschliche Fähigkeiten übertreffen könnte.