Buckelwale gelten als Experten im Navigieren über lange Distanzen. Trotz ihrer Fähigkeiten stehen sie aktuell vor erheblichen Herausforderungen. Üblicherweise verbringen Buckelwale den Sommer in polaren Regionen, die reich an Nahrung wie Krill, kleinen Fischen und Krustentieren sind. Wenn diese Gebiete kälter werden, ziehen sie in Richtung des Äquators zu tropischen Gewässern. Diese Wanderungen über 6000 bis 11 000 Kilometer zählen zu den längsten Tiermigrationsstrecken weltweit. Nach sieben Jahren finden die Wale ihre Jagd- oder Paarungsgebiete auf exakte Weise, wobei die genauen Mechanismen ihrer Orientierung noch weitgehend ein Rätsel sind. Eine Hypothese ist die Nutzung des Erdmagnetfelds zur Navigation. Interessanterweise scheint dies nicht von veränderlichen geomagnetischen Bedingungen beeinflusst zu werden: In einem Gebiet, das über 15 Jahre hinweg erforscht wurde, änderte sich der Winkel des Magnetfeldes auf der Erdoberfläche – die Wale blieben dennoch ihrer Route treu. Allerdings führten magnetische Störungen durch menschliche Aktivitäten oder Sonnenstürme bei anderen Walarten zu vermehrten Strandungen. Eine weitere Theorie ist, dass Wale die Sonne und andere Himmelskörper zur Orientierung nutzen. Beide Annahmen wurden jedoch durch eine Studie aus dem Jahr 2011 infrage gestellt. Forscher befestigten Sender an mehreren Walen im Atlantik und Pazifik, wobei sich zeigte, dass die Tiere über 200 Kilometer in gerader Linie schwammen, mit einer Abweichung von teilweise weniger als einem Grad. Starken Oberflächenströmungen oder Stürmen zum Trotz blieben sie auf Kurs: Weder der Magnetsinn noch die Sonnenorientierung konnten das allein erklären. Akustische Signale könnten ebenfalls eine Rolle spielen, da Buckelwale über Hunderte von Kilometern kommunizieren. Auch Unterwasserstrukturen oder Küstenlinien beeinflussen das akustische Umfeld. Dennoch scheinen diese Methoden für einen Buckelwal in der Ostsee nutzlos zu sein. Die flache, durch Sandbänke und Buchten geprägte Region ist voller Geräusche vom Schiffsverkehr – ein ungewohntes und schwieriges Terrain für die Wale. Wissenschafter berichten von immer wiederkehrenden Fällen von Buckelwalen in der Ostsee. In den Jahren 2003 und 2006 strandeten jeweils Tiere dieser Art und verendeten dort. Andere schafften es zurück in das offene Meer, einige sogar nach mehreren Jahren hin und her schwimmend. Doch im Gegensatz zu diesen gesunden und aktiven Walen ist der Buckelwal vor Poel geschwächt und scheint weitgehend orientierungslos zu sein. Der Ausweg aus der Bucht und dann aus der Ostsee wird für ihn wahrscheinlich zu kompliziert. Eine Lenkung des Wals mittels Booten oder akustischer Signale ist unmöglich: Boote verursachen Fluchtbewegungen, während akustische Methoden keine bestimmte Richtung vorgeben können. Einzigartige Fälle aus der Vergangenheit zeigen, dass Buckelwale auf Geräusche reagierten, jedoch ohne Lenkungsmöglichkeit. 1985 strandete ein männlicher Buckelwal in San Francisco und wurde zurück ins offene Meer geleitet; die Wirkung spezifischer Töne bleibt unklar. Fünf Jahre später kehrte derselbe Wal zurück und strandete erneut, woraufhin ihn die Küstenwache rettete. Möglicherweise verfügt dieser Wal über schlechte Navigationsfähigkeiten – ein Thema, das auch im Zusammenhang mit dem Buckelwal in der Ostsee diskutiert wird. Doch es sind Ausnahmen: Die meisten Artgenossen schwimmen Tausende von Kilometern ohne sich zu verirren. Wie sie dies schaffen, bleibt bis heute ungelöst.