Der Buckelwal Timmy, gestrandet auf einer Sandbank vor Poel, zieht Menschenmassen an. Medienvertreter, Politiker und Verschwörungstheoretiker sind gleichermaßen fasziniert von dem dramatischen Schicksal des Tieres. Andrea-Maria Böttcher erkannte sofort, dass der Wal Unterstützung benötigte. Auf einer Anhöhe vor der Wismarer Bucht beobachtete sie Timmy und spürte eine Verbindung zu ihm. Sie betete und versuchte, Kontakt aufzunehmen – eine Fähigkeit, die sie durch einen Kurs erlernt hatte, die ihr aber angeblich schon immer innewohnte. In diesem Moment antwortete der Wal mit einem tiefen Gesang. Seit Wochen engagiert sich Böttcher, Mitte fünfzig und bekannt für ihre auffällige Wollmütze, zusammen mit anderen Aktivisten für Timmy. Der Wal wurde erstmals am 3. März in Wismar gesichtet und strandete später auf der Sandbank, wo er seit über drei Wochen verharrt. Verletzt und geschwächt kämpft er ums Überleben. Auf Poel, einer Insel mit etwa 2500 Einwohnern, hat das Leben sich geändert. Touristen mit Ferngläsern und Kameras bevölkern die Wege, Polizeiautos kontrollieren Zufahrten zur Bucht, in der DLRG-Schnellboote unterwegs sind. Der zwölf Meter lange Wal dominiert Diskussionen in Bussen und Restaurants. Internationale Medien berichten über Timmy, soziale Netzwerke diskutieren tierrechtliche Fragen. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte die Region, um sich zu informieren. Während Fußballfans bei der Weltmeisterschaft Millionen von Bundestrainern hatten, gibt es aktuell genauso viele Wal-Experten. Böttcher gehört dazu und hat ihre Arbeit unterbrochen, um Timmy nahe zu sein. Sie sieht die Tiere als „Engel der Meere“ an – hochintelligente Wesen, denen sie schon seit ihrer Kindheit vertraut ist. Trotz großer Nähe darf man dem Wal nicht näherkommen; Polizeiautos und ein hoher Zaun trennen die Aktivisten vom Tier. Sie setzen auf „Licht- und Liebesenergie“ für seine Rettung, während sie der Aktionismus als übertrieben empfinden mögen. Böttcher kritisiert die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern scharf, indem sie von Marionetten spricht, die einer höheren Macht folgen. Auch Sarah Jakubowski, eine Aktivistin aus Sachsen-Anhalt, vermutet menschlichen Einfluss auf das Verhalten des Wals. Sie kritisiert den Profitgedanken der Regierung und ihre eigene Situation im System. Die Dorfbewohner von Weitendorf sind skeptisch gegenüber dem Aktivismus und finden, dass grundlegende Probleme wie Überfischung mehr Beachtung verdienen sollten. Influencer und Experten streiten sich über die beste Rettungsstrategie für den Wal. Umweltminister Till Backhaus ist unermüdlich bei der Unterstützung des Wals, was ihm öffentliche Aufmerksamkeit einbringt – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der anstehenden Landtagswahl im September.