Der Kauf der Chronometrie Beyer durch Patek Philippe, die nun zu einem eigenen Salon umgebaut wird, wurde kürzlich bekannt. Dieses Vorhaben brachte Fragen bezüglich der Vertriebsstrategie des Traditionshauses auf. Im Rahmen von Watches and Wonders sprach Präsident Thierry Stern über diese Entwicklung und Pateks Position in einer volatilen Welt.
Im hell beleuchteten Besprechungsraum im zweiten Stock des Patek-Philippe-Standes erklärte Thierry Stern die Gründe für den Kauf. Der Schritt sei sowohl strategisch als auch emotional motiviert gewesen, da Zürich ein zentraler Standort für das Unternehmen ist und René Beyer, der Besitzer von Chronometrie Beyer, keine Nachfolger hatte.
Die Beziehung zwischen Stern und den Beyers war eng. “Sie sind fast wie Familie”, so Stern. Die Übernahme sollte sicherstellen, dass das Geschäft in vertrauenswürdige Hände übergeht. Zudem sei die Lage von Chronometrie Beyer ideal und Zürich für Patek Philippe ein wichtiger Markt, möglicherweise sogar bedeutender als Genf.
Auf die Frage nach einer Strategieänderung erklärte Stern, dass der Kauf keinen Wechsel zu einem Modell wie dem von Rolex darstelle. Patek Philippe fokussiere sich weiterhin auf die Uhrmacherei und plane nicht, selbst zum Händler zu werden. Es gehe lediglich um Chancen bei passenden Gelegenheiten.
Die Übernahme wird jedoch in Zürich zu direkter Konkurrenz mit dem bestehenden Patek-Händler Gübelin führen. Stern deutete an, dass die räumliche Nähe beider Geschäfte unpraktisch sei. Die Branche stehe unter Druck durch verschiedene globale Herausforderungen wie schwache Nachfrage in China und geopolitische Spannungen.
Trotz dieser Probleme seien Patek Philippe’s wichtigste Märkte stabil, vor allem dank einer überschaubaren Produktion von etwa 75.000 Uhren pro Jahr. In den USA sei der Markt stabiler als erwartet, obwohl Zölle die Branche betreffen. Durch strategische Preisanpassungen konnte Patek Philippe die zollbedingten Kosten teilweise ausgleichen.
Ein geplanter globaler Preisanstieg im Februar 2026 wurde in den USA durch niedrigere Zölle abgemildert, was sogar zu Preisreduktionen führte. Der Krieg im Nahen Osten habe bisher keine negativen Auswirkungen auf die Nachfrage nach hochwertigen Uhren.
Patek Philippe konzentriert sich nicht darauf, neue Märkte wie Indien zu erschließen, sondern bleibt bei seiner Strategie der Kapazitätsgrenze und einer starken Kollektion. Das Unternehmen legt Wert auf den Durchschnittspreis seiner Produkte und das Kostenmanagement, anstatt die Stückzahlen zu erhöhen.
Der Präsident betonte, dass es nicht um Wachstum gehe, sondern darum, unabhängig zu bleiben und eine qualitativ hochwertige Produktpalette anzubieten.