Die Lohnrunde 2025 hat sich als eine der stärksten seit zwei Jahrzehnten erwiesen, wobei Staatsangestellte den größten Nutzen daraus zogen. Diese Entwicklung wird nun politisch diskutiert.
Das Bundesamt für Statistik (BfS) veröffentlichte jüngst die neuesten Lohndaten für die Schweiz. Nach Anpassung an eine Inflation von 0,2 Prozent erhöhten sich die Löhne im Jahr 2025 um 1,6 Prozent – das stärkste Wachstum seit 2009. Die Kaufkraft nahm zu, was hauptsächlich auf die niedrige Teuerung zurückzuführen ist. In den vergangenen Jahren hatten Lohnerhöhungen ähnliche Raten erreicht, doch die Inflation fiel nun auf 0,2 Prozent.
Mathias Binswanger, ein Ökonom, mahnt zur Vorsicht bei der Interpretation dieser positiven Entwicklung: „Der Trend ist noch nicht lange genug beständig, um jetzt schon optimistische Schlüsse zu ziehen.“
Ein bemerkenswerter Unterschied zeigte sich im öffentlichen Dienst. Staatsangestellte erlebten eine Lohnerhöhung von 3,3 Prozent nach Inflationsbereinigung, während der Dienstleistungssektor um 1,9 Prozent zulegte.
Diese Entwicklung unterstützt das bürgerliche Lager. Die Jungfreisinnigen haben vor kurzem die Verwaltungsbremse-Initiative gestartet, welche auf eine Begrenzung der Personalausgaben des Bundes abzielt.
Jonas Lüthy, Präsident der Partei, kommentiert die neuesten Daten: „Diese Statistik unterstreicht erneut die Notwendigkeit unserer Initiative zur Verwaltungsbremse. Es gibt momentan keine Begrenzung für das Kostenwachstum in der Bundesverwaltung.“
Branchenspezifische Unterschiede sind erkennbar: Die Industrie verzeichnete eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent (unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt), während im Dienstleistungssektor die Zunahme bei 1,9 Prozent lag.
Mathias Binswanger erklärt das starke Absinken der Reallöhne nach der Corona-Pandemie durch Inflation, angetrieben unter anderem von steigenden Energiepreisen. Ein Aufholeffekt und ein Mangel an Fachkräften führten zu Lohnsteigerungen in Unternehmen.
„Es ist ungewöhnlich“, so Binswanger, „dass die öffentliche Verwaltung solche hohen Lohnerhöhungen zulässt, finanziert durch Steuergelder.“ Patrick Chuard-Keller, Chefökonom beim Schweizerischen Arbeitgeberverband, kritisiert ebenfalls: „Die Privatwirtschaft ist stärker an wirtschaftliche Bedingungen gebunden.“
Jonas Lüthy sieht das Problem darin, dass die Lohnentwicklung in der öffentlichen Verwaltung von der realen Wirtschaft entkoppelt ist. Seine Initiative zielt darauf ab, dass Personalausgaben des Bundes nur parallel zum Schweizer Medianlohn steigen dürfen, um übermäßige Erhöhungen zu verhindern.
Forschungsergebnisse des Instituts für Wirtschaftspolitik der Universität Luzern zeigen, dass die öffentliche Verwaltung selbst bei ähnlichen Stellenprofilen höhere Löhne zahlt. Besonders beim Bund ist das Lohnwachstum stark ausgeprägt; dort verdienen Arbeitnehmer mit vergleichbaren Positionen 11,7 bis 13,9 Prozent mehr, und die Lohndifferenz steigt mit Alter und Dienstjahren.
Der Personalverband des Bundes sieht in der Initiative erhebliche Risiken für die Funktionsfähigkeit und Krisenfestigkeit der Verwaltung. Die Personalausgaben könnten nicht an den Medianlohn der Wirtschaft gekoppelt werden, da gesetzliche Aufgaben, politische Entscheidungen oder Krisensituationen entscheidend sind.
Trotz „stabil“ bleibender Budgetposten verringerten sich die Personalausgaben im Verhältnis zu den Gesamtausgaben von 8,3 Prozent (2020) auf 7,5 Prozent (2025). Der Personalverband des Bundes hat bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu den Lohndaten abgegeben.