Thomas Lämmle, ein erfahrener deutscher Höhenbergsteiger, ist nach einem Gleitschirmunfall querschnittsgelähmt. Trotzdem hat er sich zurück ins Leben und auf die Berge gekämpft. Erst musste er das Gehen neu lernen, dann bestieg er mit Krücken den Kilimandscharo. Heute wagte er sich erstmals nach einem schweren Unfall wieder an Skitouren.\n\nOsterzeit am Riedberger Horn im Allgäu. Der Pulverschnee liegt vor Lämmle, und er schwärmt: \”Dieser Pulver. Die First Line. Ein ganzer Hang mit deiner Spur – ein wahnsinniges Flow-Erlebnis.\” Lämmle, 60 Jahre alt, hat elf Achttausender bestiegen und erreichte 2016 als Erster ohne Flaschensauerstoff den Everest. In diesem Winter absolvierte er 16 Skitouren mit einer Höhendifferenz von maximal achthundert Metern.\n\nAm 23\. April 2020 bereitet sich Lämmle, Sportwissenschaftler und Lehrer an einer Schule für Hör- und Sprachbehinderte, auf seine nächste Expedition nach Nepal vor. Er unternimmt eine Trainingstour zum Hochgrat, dem höchsten Berg im westlichen Allgäu. Dort stürzt er jedoch ab und erleidet schwere Verletzungen an der Wirbelsäule, Rippen sowie ein gesprengtes Becken.\n\nLämmle ruft den Notruf, kann sich aber nichts von dem Sturz oder Anruf merken. Nach einer achtstündigen Operation im Klinikum Ravensburg stellt sich heraus: Querschnittslähmung. Die Ärzte diagnostizieren Lähmungen der Beine und starke Nervenschmerzen.\n\nLämmle wird im Rollstuhl entlassen, sieht seine Lebenspläne zerstört. Er entscheidet sich jedoch, nicht aufzugeben. Dank eines inkompletten Querschnitts hält er an seiner Hoffnung fest. Im Krankenhaus muss er lernen, die Beine wieder zu bewegen – jeder Schritt wird zur Willensleistung.\n\nSechs Monate liegt Lämmle fast ununterbrochen und lernt, seine Beine über das Kniegelenk zu steuern. Er beobachtet Filme von Menschen, die gehen, und setzt diese Bewegungen in seinem Kopf um. Heute benötigt er eine Orthese für den Fußantrieb.\n\nDas Ziel nach dem Unfall: der Kilimandscharo. Lämmle will seine Mitarbeiter eines Sozialprojekts unterstützen. Am 1. September 2021 erreicht er den Uhuru Peak wieder und feiert diesen Erfolg mit einem Freudensprung auf Krücken. Mittlerweile benötigt er nur noch Wanderstöcke für den Abstieg.\n\nHeute ist Lämmle ständig unterwegs, ob beim Skifahren oder Radfahren mit seinem E-Bike. Er begann wieder Ski zu fahren, indem er das linke Bein an das rechte presste und Schwünge mit dem rechten steuerte. Durch gezieltes Training und Pilates kräftigte er seine Muskulatur.\n\nEr verwendet Schwämme im Schuh als Ersatz für den Wadenmuskel und fährt mittlerweile 160-Zentimeter-Ski. Nach einer Skitour fühlt Lämmle sich unbeschwert und träumt von weiteren Herausforderungen, wie dem Gleitschirmflug vom Gipfel eines Achttausenders.