Der Anti-Bürokratie-Preis wird häufig in die Stadt Zürich verliehen. Der Stadtrat besteht zu einem Drittel aus Preisträgern, was den Trend unterstreicht.
Ein Schmähpreis ist eine Auszeichnung für negative Leistungen – zumindest aus Sicht der Preisverleiher. Diese «vergifteten Geschenke» werden von der IG Freiheit vergeben, einer Gruppierung, die sich gegen staatliche Bevormundung wendet und vom Zürcher SVP-Nationalrat Gregor Rutz präsidiert wird.
Der bekannteste Schmähpreis im Land ist der «Rostige Paragraph», verliehen für das «überflüssigste Gesetz» oder den «unnötigsten Vorstoss». Unter den diesjährigen Nominierten befindet sich ein Zürcher: Michael Schmid von der Alternative Liste. Seine Fraktion hat im Stadtparlament einen Antrag auf Werbeverbot auf öffentlichem Grund eingebracht, welcher angenommen wurde. Doch die Umsetzung liegt nun beim Stadtrat und bei der Verwaltung. In der Debatte argumentierte Schmid: «Werbung manipuliert uns, fördert Überkonsum und verschandelt den öffentlichen Raum.»
Die IG Freiheit begründet die Nominierung Schmids mit dem erheblichen Einnahmenverzicht für Stadt und Verkehrsbetriebe sowie offenen Fragen zur praktischen Umsetzung. Nach Annahme des Verbots im März 2025 äußerte sich der Parlamentspräsident Guy Krähenbühl provokant: «Willkommen in Pjongjang!»
Neben Schmid ist die Basler Regierungsrätin Esther Keller (GLP) nominiert, die eine Stelle für einen kantonalen Velo-Animator schaffen möchte. Eine weitere Kandidatin ist Dr. Corinne Jud Khan von Agroscope, die mit halber Million Franken an einem veganen Raclette forschte. Nominiert sind auch Jean-Michel Cina wegen eines Streits um Säulirennen und Oleg Gafner, der eine Promillegrenze für Parlamentarier forderte.
Soll Schmid gewinnen, wäre er einer von vielen prominenten Preisträgern aus Zürich. In den letzten fünf Jahren ging der Preis dreimal an die Limmat: 2024 Simone Brander (SP) für ihre «Kompost-Polizei», 2023 Balthasar Glättli (Grüne) mit einer Arbeitszeitreduktion zum Klimaschutz und 2021 Karin Rykart (Grüne) für einen umfangreichen Zonenplan für Hunde, den sie nach Kritik nicht umsetzte. Brander, Rykart und Glättli sind im neuen Stadtrat vertreten, der nun zu einem Drittel aus Preisträgern besteht.