Bei Tagesanbruch zeichnet sich ein schattiger Himmel ab, während Antilopen am Wegesrand stehen und eine Hyäne von ihrer nächtlichen Streife zurückkehrt. Am Wasserloch stillt eine Elefantenherde ihren Durst – ein idyllischer Anblick im Kruger-Nationalpark, Südafrikas größtem Nationalpark.
Drei Fahrzeuge verharren auf der Strasse neben dem Wasserloch mit laufenden Motoren. Als die Elefantenkühe sich Richtung Strasse bewegen, gibt es keine Reaktion von den Insassen. Ein Elefant mit ausgestellten Ohren nähert sich einem Auto, während sein Schweif ebenfalls signalisiert: Hier ist zu nahe.
Safariführer Owen Booysen, 15 Jahre im Geschäft, schilderte die Szene. “Die Tiere zeigten Stresssignale, doch der Fahrer blieb unbeeindruckt”, sagt er kopfschüttelnd und prophezeit zukünftige Vorfälle.
Selbst früh morgens staut sich das Verkehrsaufkommen vor den Eingangstor des Parks. “Um die Overtourism-Flut einzudämmen, gelten in der Hochsaison Beschränkungen von 350 bis 750 Gästen pro Eingang”, erklärt Parkranger Mbuso Mahlalela.
“Viele Touristen missachten die Tiere und vergessen, dass es kein Zoo ist. Sie bleiben im Auto sitzen oder gehen ihren Geschäften nach,” fügt er hinzu.
Die Idee für einen Schutzraum entstand im 19. Jahrhundert durch Präsident Paul Kruger, der das Aussterben des Wildes voraussah und so die Grundlage für den heutigen Nationalpark legte, gegründet 1926.
Neben respektlosen Touristen bleibt die Nashornwilderei eine Herausforderung: von 10.000 Nashörnern im Jahr 2010 sind nur noch etwa 2000 übrig, täglich wird eines gewildert.
Mahlalela spricht sich optimistisch aus, trotz der Schwierigkeiten den Kampf zu gewinnen. “Unsere schönen Tiere dürfen nicht verschwinden”, betont er.
Doch selbst in einem so riesigen Park wie dem Kruger-Nationalpark sind 30.000 Elefanten problematisch. Safariführer Owen Booysen sorgt sich um die Umwelt, da die Tiere Bäume entlauben und damit Lebensraum zerstören.
Das gezielte Jagen von Herden ist ein Tabu, doch wird diskutiert, ob manche Methoden notwendig sind. “Eine Balance im Park zu halten ist entscheidend für alle Arten”, erklärt er. “Es braucht oft harte Entscheidungen.”