Der Trainer der Schweizer Eishockey-Nati, Patrick Fischer, steht erneut im Zentrum der Aufmerksamkeit. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat laut Swiss-Olympic-Direktor Roger Schnegg Kontakt zu den Schweizer Behörden aufgenommen. Im «Club»-Interview spricht Schnegg ausführlich über die Risiken, denen Fischer sich 2022 aussetzte, als er mit einem gefälschten Covid-Zertifikat an die Olympischen Spiele in China reiste.
Roger Schnegg ist der Direktor von Swiss Olympic und vertritt den Schweizer Sport gegenüber dem IOC. Er gab bekannt, dass man am Dienstag schnell auf Fischers Fall reagierte und von Überraschung und Irritation sprach.
«Wir waren enttäuscht», erklärt Schnegg. Fischer hatte wie alle Delegationsmitglieder die Teilnahmebedingungen unterzeichnet. Diese bestätigten, dass er Einreise- und Ethikstatuten einhält – was nicht der Fall war. Die möglichen Konsequenzen, hätte dies öffentlich bekannt werden können, waren ungewiss. Eine Sanktionierung oder gar ein Ausschluss von Team oder Delegation könnten laut Schnegg möglich gewesen sein.
Dass Druck auf den Schweizer Hockeyverband ausgeübt wurde, Fischer zu entlassen, bestreitet Schnegg jedoch. Man habe diesen Schritt nachvollziehen und unterstützen können. Ein solcher Vertrauensbruch wäre in anderen Branchen, wie etwa im Bankensektor, nicht zum Diskutieren anstehend gewesen.
Überspitzt man den Fall?
Nein, betont Schnegg. Für jemanden, der stets für seine Werte eintrat, habe Fischer ein erhebliches Risiko eingegangen – sowohl persönlich als auch für das Team und die Schweizer Delegation.
Zudem hat Swiss Olympic eine Meldung bei Swiss Sport Integrity verfasst, der unabhängigen Meldestelle für Dopingfälle und Ethikverstösse. Ob sie zuständig ist, bleibt allerdings offen, da das gefälschte Zertifikat aus dem Jahr 2021 stammt.
Kontakt zum IOC und zu chinesischen Behörden?
Das IOC habe sich informiert, jedoch keine Forderungen gestellt. Aus China gab es keine Reaktionen.
Die Bedeutung des Sports in der Gesellschaft ist laut Schnegg gewachsen, insbesondere im Bereich Ethik. Es sei wichtig, dass solches Fehlverhalten nicht toleriert wird, um die Vorbildfunktion zu wahren.
Das Interview führte Peter Düggeli.
Club, 21.04.2026, 22:20 Uhr