Seit über drei Jahren tobt ein blutiger Krieg im Sudan ohne Ende in Sicht. Khalid Omer Yousif, ehemaliger Minister der 2021 gestürzten Regierung, sprach in einem Interview über die schwerste humanitäre Krise der Welt und die Gründe für das Scheitern aller Friedensbemühungen.
Am 15. April 2023 verließ Yousif sein Haus in Khartum ohne Vorstellung eines Rückkehrtermins und ohne persönliche Gegenstände, da er glaubte, nur einige Stunden fortzubleiben. Doch seit diesem Tag, als der Krieg ausbrach – ausgelöst durch einen Machtkampf zwischen zwei Generälen – ist sein Zuhause ein Ort, den er nie wieder betreten hat.
Yousif engagiert sich weiterhin für Frieden: «Kein Ort auf Erden kann das eigene Zuhause ersetzen.» Seit dem Sturz des Langzeitdiktators Omar al-Bashir im Jahr 2019 war Yousif als Minister tätig, bevor er 2021 durch den Putsch der Rapid Support Forces (RSF) und Sudanese Armed Forces (SAF) ins Exil getrieben wurde. Im Zuge der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin äußerte er sich zur Lage im Land.
Auf die Frage nach seinen Erinnerungen an den 15. April 2023 sagte Yousif: «Es war ein Schock. Die Spannungen hatten sich bereits verschärft, doch seit diesem Tag brennt mein Land lichterloh. Ich versuchte, das Feuer zu stoppen und verließ mein Haus, um Gespräche zu führen. Seitdem bin ich im Exil unterwegs und habe kein Zuhause mehr.»
Yousif beschreibt die dramatische Verschlechterung der Lage im Sudan: «Unser Land und seine Menschen durchleben schreckliche Zeiten, von Tag zu Tag verschlimmert sich die Lage. Wir haben keine andere Wahl, als weiterzumachen – nur so können wir unser Land retten und den Krieg beenden.»
Die Ursachen des Konflikts sind komplex: «Der Krieg wird oft vereinfacht dargestellt, doch er ist weit komplizierter. Seit der Unabhängigkeit 1956 war der Sudan ein vielfältiges Land mit mehr als 500 Stämmen und über 120 Sprachen. Anstelle einer inklusiven Politik regierte eine Diktatur Jahrzehnte lang das Land. Mit dem Aufstand des Volkes 2019 gegen die Diktatur nutzten Islamisten ihre Präsenz in den Sicherheitsbehörden, um den demokratischen Übergang zu untergraben und schließlich den Krieg 2023 auszulösen.
Yousif kritisiert das geringe Medieninteresse: «Die Aufmerksamkeit ist viel zu schwach. Der Konflikt im Sudan stellt ein regionales Sicherheitsproblem dar, könnte neue Flüchtlingsbewegungen nach Europa antreiben und Rückzugsorte für Terrorgruppen schaffen.»
Er fordert eine zivile Regierung mit föderalem System und Mehrparteiensystem: «Nach mehr als fünfzig Jahren Militärherrschaft ist es an der Zeit, dass Zivilisten das Land regieren. Die Kriegsparteien müssen in den Friedensprozess eingebunden werden.»
Yousif betont die Notwendigkeit eines einheitlichen Prozesses unter drei Säulen: Waffenstillstand, humanitäre Hilfe und langfristige Befriedung – hierbei sieht er «Quad» als vielversprechende Initiative.
Die Regionalmächte verfolgen eigene Interessen; Yousif jedoch betont, dass eine Win-win-Situation geschaffen werden müsse. Auch wenn einige die VAE kritisieren und Yousifs Nähe zu ihnen in Frage stellen, bleibt er bei seiner Position: «Wir pflegen offene Beziehungen zu allen Partnern, die sich für Stabilität einsetzen.»
Zum Thema Abraham-Abkommen äußert er sich positiv: «Ich und Somoud streben nach Frieden und normalen Beziehungen mit allen Ländern. Hass in der Welt muss überwunden werden.»
Yousif beschreibt die Lage im Sudan als katastrophal: «Wegen des Krieges gibt es kein Essen, keine Infrastruktur, keinen Strom, kein Wasser und keine Arbeit – nur Töten. Wann das aufhört, ist ungewiss, doch wir arbeiten täglich dafür, dass Millionen Menschen in ihre Heimat zurückkehren können.»