Gruppenführer Dima zählt auf dem Radarbild die roten Dreiecke, die zweiundzwanzig russische Kamikazedrohnen über dem Schwarzen Meer darstellen. Die Ukrainer nennen sie Shaheds – dieselben Drohnen, die auch im Iran-Krieg für Furcht sorgten. Eine dieser Shaheds steuert auf die Küste zu, wo Dima und seine Einheit der 122. Landwehrbrigade mit einer SU-23 warten. “Siebeneinhalb Kilometer”, sagt er. Ruslan, ein Schütze neben ihm, richtet das Geschütz aus. Das Motorengeräusch einer Drohne klingt wie ein Rasenmäher und wird immer lauter. Dima feuert mehrere Salven ab – bei der sechsten explodiert die Shahed über dem Meer, während die Soldaten jubeln.
Diese veraltete aber kostengünstige Methode ist nur ein Teil der ukrainischen Abwehrstrategie gegen Drohnen. Seit vier Jahren übt das Land diesen Kampf und möchte sein Wissen nun teilen. Die Shaheds sind ein Beispiel für die Verbindung zwischen dem Krieg in der Ukraine und dem Iran-Konflikt, da Teheran diese Technologie an Russland weitergab. Moskau liefert angeblich optimierte Drohnen zurück an den Iran.
Ukrainische Abfangdrohnen könnten den Luftkampf revolutionieren. Auf einem Feld in der Südukraine testet der 24-jährige Dmitri von der 208. Flugabwehrbrigade eine Sting-Drohne, die seit drei Monaten im Einsatz ist und bereits acht Shaheds neutralisiert hat. Die Drohne fliegt mit hoher Geschwindigkeit und kann aus einem Bunker gesteuert werden, wodurch das Risiko für den Piloten sinkt.
Die Produktion der Sting kostet nur rund 2000 Dollar im Vergleich zu Millionen für eine Patriot-Rakete. Witali, Kommandant der Einheit, betont die hohe Abschussrate von Shaheds durch Abfangdrohnen. TAF Industries, geführt vom 30-jährigen Wolodimir Sinowski, produziert ebenfalls Abfangdrohnen wie Octopus und plant Joint Ventures mit ausländischen Firmen.
Die Ukraine setzt weiterhin auf eine mehrschichtige Verteidigung: Pick-up-Trucks mit Maschinengewehren unterstützen die Drohnenabwehr. Trotzdem erreichen manchmal russische Shaheds ihr Ziel, weshalb der Einsatz von Abfangdrohnen entscheidend ist, um die Kosten des Luftkampfs zu senken.