Der ehemalige Kampfjet-Pilot und Staatspräsident Rumen Radew steht kurz davor, Bulgariens neuer Ministerpräsident zu werden. Im gerade beendeten Wahlkampf präsentierte er sich als Hoffnungsträger für eine Ära ohne Korruption in dem osteuropäischen Land. Mit seiner militärischen Vergangenheit und einer klaren Nähe zu Moskau gewann er die Herzen der Wähler, die nach Veränderung streben. Bei den jüngsten Parlamentswahlen errang sein Bündnis “Progressives Bulgarien” beeindruckende 44,6 Prozent.
Geboren wurde Radew 1963 in Dimitrowgrad als Teil der sozialistischen Volksrepublik, die stark von Moskau abhängig war. Über seine familiären Wurzeln ist wenig bekannt; hingegen ist seine militärische Karriere gut dokumentiert. Mit gerade einmal 19 Jahren begann er an der Akademie der bulgarischen Luftstreitkräfte, die er als Jahrgangsbester abschloss. Zudem trat er zeitgleich in die Kommunistische Partei ein – eine Entscheidung, die er später nicht bereute, obwohl er 1990 aus der Partei austrat.
Radew machte sich einen Namen als Militärpilot und stieg bis zum Kommandanten eines Luftwaffenstützpunkts auf. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus setzte er seine Ausbildung in den USA fort. Seine militärische Laufbahn endete 2004, als Bulgarien der Nato beitrat – ein Jahr, das auch Radews politische Karriere begann.
2016 wurde er zum Staatspräsidenten gewählt und machte sich durch seine offene Sympathie für Russland bekannt. Ein bemerkenswerter Moment war sein Konflikt mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski 2023, als es um Waffenlieferungen ging. Radew argumentierte gegen militärische Unterstützung der Ukraine und rief zum Dialog mit Moskau auf.
Radews Wahlkampf war geprägt von Versprechungen zur Entmachtung der Oligarchen, was ihm breite Zustimmung einbrachte – trotz seiner prorussischen Sympathien. Die bulgarische Gesellschaft ist in ihrer Haltung zu Russland gespalten: Während viele ältere Bürger Moskau positiv gegenüberstehen, neigen die meisten zur EU und Nato.
In den letzten Jahren als Präsident hat sich Radew als entschiedener Gegner der Korruption etabliert. Er unterstützte 2020 die Proteste gegen Machtmissbrauch und forderte den Rücktritt der Regierung. Obwohl seine Amtszeit von politischer Instabilität geprägt war, blieb er eine feste Größe im bulgarischen Politikgeschehen.
Radews Entscheidung, als Präsident zurückzutreten und sich der Parlamentswahl zu stellen, zahlte sich aus: Er gewann nicht nur die Stimmen prorussischer Wähler, sondern auch jene junger Menschen und Politikverdrossener. Dies spiegelte sich in einer gestiegenen Wahlbeteiligung von 39 auf 51 Prozent wider.