In der von Schweizern dominierten öffentlichen Verwaltung steigen die Löhne und Beschäftigungszahlen überdurchschnittlich. Doch eine sichere Zukunft erfordert mehr als nur Verwalten und Kassieren, besonders wenn es um Initiativen wie «Gegen eine 10-Millionen-Schweiz» geht.
Laut neuester Lohnstatistik haben die inflationsbereinigten Reallöhne in der Schweiz im letzten Jahr um 1,6 Prozent zugenommen. Die Angestellten der öffentlichen Verwaltung verzeichneten jedoch den höchsten Zuwachs mit 3,1 Prozent, während Sektoren wie der Maschinenbau nur einen Anstieg von 0,5 Prozent erlebten.
Seit der Corona-Krise zeigt sich ein systematisches Muster: Die Reallöhne erreichten erst im letzten Jahr das Niveau von 2019. Während die Inflation durch den Ukraine-Krieg und die Pandemie anhielt, schnitt der öffentliche Sektor besser ab, indem er nicht nur einen Inflationsausgleich erreichte, sondern auch höhere Lohnsteigerungen verzeichnete – ein Anstieg von 6,2 Prozent seit 2019.
Das wirft Fragen auf. Es ist unwahrscheinlich, dass die Verwaltung ihre Produktivität im Vergleich zur Privatwirtschaft so stark gesteigert hat. Untersuchungen des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik an der Uni Luzern bestätigen, dass die Löhne in der öffentlichen Verwaltung zwischen 2017 und 2022 höher waren als in der Privatwirtschaft, selbst nach Berücksichtigung von Qualifikationen. Der Bund zahlte durchschnittlich 11,7 Prozent mehr, Kantone 5,4 Prozent und Gemeinden 4,5 Prozent.
Dies ist paradox: Obwohl Spitzenkräfte in der Verwaltung ähnliche Anforderungen wie im Privatsektor haben, profitieren Durchschnittsarbeiter im öffentlichen Dienst von mehr Arbeitsplatzsicherheit. Diese Vorteile sollten sich in niedrigeren Löhnen widerspiegeln, doch das Gegenteil ist der Fall.
Besorgniserregende Tendenzen zeigen sich auch bei der Beschäftigung: Zwischen 2019 und 2025 stieg die Gesamtbeschäftigung um 7,8 Prozent, während im Maschinenbau nur ein Zuwachs von 0,9 Prozent verzeichnet wurde. In der öffentlichen Verwaltung erhöhte sich die Zahl um 10 Prozent.
Die Tatsache, dass in der öffentlichen Verwaltung zu 89 Prozent Schweizer beschäftigt sind, könnte bei Wahlen eine Rolle spielen und den Staat weiter ausbauen. Im Gegensatz dazu haben Ausländer im Gastgewerbe (58 %), verarbeitenden Gewerbe (42 %) und Gesundheitswesen (29 %) wenig Einfluss.
Sollten die Schweizer gegen Initiativen wie «Gegen eine 10-Millionen-Schweiz» oder bilaterale Verträge mit der EU stimmen, stellt sich die Frage, wer dann weniger gut bezahlte Tätigkeiten ausführt und Pflegeleistungen erbringt. Eine nachhaltige Wirtschaft erfordert mehr als nur Verwaltung und Finanzen.