Ein am Mittwoch veröffentlichtes Video zeigt, wie iranische Revolutionswächter mit Schnellbooten zwei Containerschiffe in der Strasse von Hormuz entern. Die Szene ist inszeniert wie ein Actionfilm: Maskierte Soldaten steigen über Rumpföffnungen an Bord und durchqueren das Schiff unter dramatischer Musik. Veröffentlicht wurde es zur Demonstration der Kontrolle Irans über diese strategische Meerenge. Kurz darauf reagierte die US-Regierung mit einem ähnlichen Video: Kampfhelikopter landeten auf dem Öltanker «Majestic X» im Indischen Ozean. Das US-Verteidigungsministerium behauptete, das Schiff habe unter Sanktionen stehendes iranisches Öl transportiert. Die USA führen seit zwei Wochen eine maritime Blockade durch – ein Erfolg nach Ansicht von Präsident Trump? Offiziell ist die Blockade laut dem amerikanischen Militär dicht. Das Central Command gibt an, 33 Schiffe zum Umdrehen gebracht zu haben. Doch Berichte und Daten von Beobachtungsfirmen wie Vortexa in der Financial Times werfen Zweifel auf: Mindestens 34 Schiffe hätten die Blockade laut Vortexa seit dem 12. April umgangen, darunter sechs mit Ölladung. Die Tracking-Daten variieren, da viele Schiffe ihre Transponder ausstellen oder Positionsinformationen fälschen. In einigen Fällen wird das Öl auf offener See von Schiff zu Schiff übertragen, um dessen Ursprung zu verschleiern. Christian Bueger, Experte für maritime Sicherheit und Professor an der Universität Kopenhagen, betont: «Die Blockade ist nicht vollständig dicht – entscheidend ist die Abschreckungswirkung.» Iran hat einen geografischen Vorteil durch seine mehr als 1500 Kilometer lange Küste entlang der Strasse von Hormuz und verfügt über hunderte Kleinboote, die Frachter angreifen können. Zudem wurden laut Axios erneut Minen in der Meerenge eingelegt. Trump kündigte an, alle iranischen Minenleger-Boote zu versenken und die Entminungsanstrengungen zu verstärken. Die US-Kriegsschiffe sind jedoch vor allem im Golf von Oman aktiv, ohne weit in den Persischen Golf vorzudringen – dort wären sie verwundbar. Am Sonntag stoppten US-Soldaten das Containerschiff MV «Touska» im Golf von Oman nach Warnungen ignoriert hatten. Ein Lenkwaffenzerstörer feuerte auf den Maschinenraum, und Marinesoldaten übernahmen die Kontrolle. Die USA haben auch mit der Festsetzung von Schiffen außerhalb der Region begonnen, wie die «Majestic X». Christian Bueger sieht darin eine Ausweitung des Konflikts. Iran steht wirtschaftlich unter Druck und könnte bald Lagerkapazitäten für Rohöl erreichen. Der Tanker «Nasha» steuert auf der Erdölinsel Kharg zu, doch die Lager könnten Ende April voll sein, was zur Schließung von Ölquellen zwingen würde.