In der Schweiz wird etwa jeder sechste bis siebte Säugling als Frühchen geboren, also vor der 37. Schwangerschaftswoche, was oft zu erheblichen Herausforderungen für Familien führt. Nicole Ochsenbein, die Direktorin der Klinik für Geburtshilfe am Universitätsspital Zürich, erklärt: «Die Organe bei Frühgeborenen sind oftmals noch unreif, weshalb man auf ihre Vermeidung abzielt.» Mögliche Folgen können Atemprobleme oder Hirnblutungen sein.
Ein Schlüsselindikator für eine potenzielle Frühgeburt ist die Steifheit des Gebärmutterhalses, ein Zusammenhang, den Sabrina Badir, Biomechanikerin und Gründerin von Pregnolia, erforscht hat. «Unsere klinischen Studien zeigen, dass Frauen mit einem weichen Gebärmutterhals häufiger Frühgeburten erleben», berichtet sie.
Der Gebärmutterhals, medizinisch als Zervix bekannt, bleibt während der Schwangerschaft wie ein Ballonknoten geschlossen. Öffnet er sich zu früh, kommt das Kind vorzeitig zur Welt. Obwohl dieser Zusammenhang bekannt war, ließ sich die Steifheit des Gebärmutterhalses bislang nicht standardisiert messen. Badir entwickelte daher während ihrer Doktorarbeit an der ETH Zürich ein Messgerät und gründete Pregnolia. Für eine klinische Anwendung bedarf es weiterer Tests.
Ärzte können Frühgeburten auslösen, beispielsweise bei Schwangerschaftsvergiftungen oder Erkrankungen von Mutter oder Kind. Etwa die Hälfte der Frühgeburten hat jedoch keine bekannten Risikofaktoren; es handelt sich um spontane Fälle. Dazu müssen laut Ochsenbein drei Bedingungen erfüllt sein: «Der Gebärmutterhals muss vor seiner Verkürzung und Öffnung weich werden, gefolgt vom Ablösen der Eihaut, was zu Wehen führt, und schließlich zum Blasensprung.» Während die Verkürzung mittels Ultraschall messbar ist, zielt Badirs Gerät auf die Steifheit ab, die bisher nur durch Tasten erfassbar war.
Das Ziel ist es, das Gerät bereits in früheren Schwangerschaftsstadien einzusetzen und so potenzielle Frühgeburten vor Komplikationen zu erkennen. «Bereits in der 20. Schwangerschaftswoche lassen sich Unterschiede feststellen», sagt Badir.
Derzeit wird Ultraschall zur Risiko-Erhebung eingesetzt, obgleich nicht immer erfolgreich. Die Erkennung ist jedoch entscheidend, um präventiv zu handeln: «Das Ziel bei erkannten Risikofaktoren ist es, die Frühgeburt hinauszuzögern», fügt Ochsenbein hinzu.
Methoden wie regelmäßige Kontrollen, Stressreduktion und medizinische Eingriffe können helfen. Dennoch hat sich in den letzten Jahren die Frühgeburtenrate nicht weiter verringert.
Mit Pregnolia will Badir dies ändern: 15 Millionen Franken wurden bisher investiert, darunter zwei Millionen von der EU kürzlich. «Das ist ein wichtiges Signal für die Frauen-Medizin», betont sie, da diese nur sechs Prozent der Gesundheitsinvestitionen erhält.
Badir hofft mit dem EU-Beitrag auf Fortschritte: «Ein besseres Verständnis von Frühgeburten könnte zur Entwicklung gezielter Medikamente und Therapien führen.”
10 vor 10, 06.03.2026, 21:50 Uhr