Die rasante Verbreitung von gefälschten Nacktfotos und -videos, sogenannte Deepfakes, im Internet ist ein besorgniserregendes Phänomen. Angela Müller von der Organisation Algorithm Watch Schweiz sieht in diesen Technologien jedoch vor allem Symptome tieferliegender Probleme.
Angela Müller, Geschäftsführerin von Algorithm Watch CH, beschäftigt sich mit den Schnittstellen zwischen Künstlicher Intelligenz, Gesellschaft und Demokratie. Nach einem Studium der politischen Philosophie promovierte sie in Rechtswissenschaften an der Universität Zürich.
In einem Interview mit SRF News erläutert Müller: “Wir stehen erst am Anfang des Problems. Es ist eine globale Welle, die die Schweiz ebenso betrifft wie andere Länder. Technologie wird missbräuchlich eingesetzt, um Schaden zu verursachen, wobei häufig Frauen und Kinder betroffen sind, aber potenziell jeder Opfer werden kann.”
Die Verbreitung gefälschter Pornovideos stellt ein besonders schwerwiegendes Problem dar. “Es ist extrem belastend”, so Müller. “Nicht nur die Erstellung solcher Inhalte, sondern auch die Unmöglichkeit ihrer Entfernung aus dem Internet sind für die Betroffenen traumatisch.”
Laut Müller sind Deepfakes nicht die Ursache sexualisierter Gewalt, sondern ein Symptom von Sexismus und Frauenfeindlichkeit, die bereits seit Langem existieren. Die Technologie verstärkt diese gesellschaftlichen Probleme, indem sie frauenverachtende Inhalte in Online-Communities verbreitet.
Die Pornoindustrie spielt eine bedeutende Rolle bei der Anwendung neuer Technologien wie Deepfakes. “Sie war immer ein Vorreiter bei der Nutzung innovativer Techniken und trägt so zur Verbreitung bei”, erklärt Müller.
Der Bundesrat plant nun die Regulierung von Kommunikationsplattformen, was laut Müller ein wichtiger erster Schritt ist. Allerdings kritisiert sie, dass die Gesetzesvorlage die Rolle generativer KI-Anwendungen nicht ausreichend berücksichtigt.
Die Frage bleibt: Ist Technikregulierung ausreichend? “Regulierung allein löst das Problem nicht”, betont Müller. “Wir müssen sexualisierte Gewalt als gesellschaftliches Übel bekämpfen, Prävention fördern und Betroffenen Unterstützung bieten.
Gesprächspartner: David Karasek
Tagesgespräch, 28.4.26, 13 Uhr