Während die Proteste gegen die autoritäre Regierung Georgiens bereits seit über anderthalb Jahren Schlagzeilen machen, hat sich nun ein neuer Streitpunkt ergeben: das Verschwinden von Straßenhunden in der Hauptstadt Tiflis. Diese Hunde gehören zum Stadtbild und sind sogar auf Google Maps als Sehenswürdigkeiten verzeichnet, wie etwa der „braune Hund Batscho“ am Orbeliani-Platz mit einer perfekten Bewertung von 5 Sternen.
Ein Nutzer beschreibt den Hund so: „Batscho ist wie ein alter Freund, der alles versteht, ohne ein Wort zu sagen. Eine gütige Seele in einem pummeligen, pelzigen Körper.“ Viele dieser Hunde sind üppig genährt dank großzügiger Fütterungen durch die Anwohner.
Jedoch werden immer mehr Straßenhunde von den Behörden eingesammelt. Hunderte Menschen haben vor dem Regierungssitz in Tiflis protestiert. „Wenn man das Haus verlässt, begrüssen sie einen oft“, berichtet Anuki. „Wir streicheln sie und kümmern uns um sie – doch jetzt gibt es plötzlich keine Hunde mehr auf meiner Straße.“
Mariam betont: „Die Hunde sind harmlos; sie wollen nur leben. Die Behörden behaupten, sie seien eine Gefahr für Kinder. Vermutlich machen sie damit einfach Geld.“ Gerüchte ranken sich um den Umgang mit den Tieren, einschließlich eines Videos von einem Krematorium, in dem Rauch aufsteigt – angeblich werden Hundekadaver dort verbrannt. Diese Behauptung ist jedoch noch nicht bestätigt.
Die offizielle Version lautet: Die Hunde werden sterilisiert und geimpft, bevor sie an weniger dicht besiedelte Orte zurückgebracht werden. Dennoch verschwinden einige Tiere komplett – auch solche, die bereits behandelt wurden.
Kacha Kaladse, Bürgermeister von Tiflis und Mitglied der Regierungspartei „Georgischer Traum“, wirft den Tierfreunden eine organisierte Schmutzkampagne vor: „Wir wissen alle, wer dahintersteckt“, sagt er ohne Namen zu nennen. „Es werden gezielt Lügen verbreitet, um politisch Kapital daraus zu schlagen.“ Diese Erzählung dient dazu, Gegner der Regierung als von Verschwörern beeinflusst darzustellen.
Das Misstrauen gegenüber den Behörden zeigt sich auch in diesem Fall. Nach 15 Monaten Demokratieabbau und Protesten ist das Verhältnis zwischen Regierung und Gesellschaft angespannt. Viele Dinge haben sich verändert, einschließlich des Verschwindens der Straßenhunde.