Ein innovativer Ansatz aus Genf könnte Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma oder Epilepsie zukünftig eine Operation ersparen. Diese Methode wurde vom Forschungsteam unter Leitung von Elena Beanato an den Universitätsspitälern Genf (HUG) entwickelt und dafür mit dem renommierten Wissenschaftspreis Leenards ausgezeichnet.
Das Projekt untersucht, wie elektrische Stimulation kognitive Funktionen, insbesondere das Gedächtnis und die räumliche Orientierung, wiederherstellen kann. Die Methode nutzt zwei Elektrodenpaare mit einer spezifischen Frequenzdifferenz, um tiefer liegende Gehirnregionen zu stimulieren, ohne die oberflächlichen Bereiche zu beeinflussen.
Elena Beanato betont gegenüber RTS den Fortschritt dieser Technik: “Diese tiefen Regionen sind entscheidend für kognitive Funktionen wie das Gedächtnis und die räumliche Orientierung.” Anfänglich wurde die Methode bei Epilepsie-Patienten erprobt, bei denen Medikamente wirkungslos waren. Diese Patienten stehen oft vor der Option einer Gehirnoperation.
Durch intrakranielle Elektroden konnten Beanato und ihr Team die tiefen Hirnaktivitäten erforschen und die Effekte der elektrischen Stimulation in Echtzeit messen. Als nächstes soll das Verfahren auf Patienten mit leichten bis mittelschweren Schädel-Hirn-Traumata erweitert werden, von denen etwa 10 bis 15 Prozent langfristig an kognitiven Beeinträchtigungen leiden.
Erste Tests in virtueller Realität zeigten, dass sich die Teilnehmer nach der Stimulation besser im Raum orientieren und Objekte besser erinnern konnten. Pierre Mégevand, Beanatos Teamkollege und Neurologe an den HUG sowie Forscher am Human Neuron Lab der Universität Genf, sieht Potenzial für weitere Anwendungen: “Die Methode könnte auch bei Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer-bedingtem Gedächtnisverlust eingesetzt werden,” so Mégevand.
RTS, CQFD, 29.04.2026, 10:06 Uhr; noes