In den späten siebziger Jahren fand Max Frisch in den Atelierhäusern von Gottfried Honegger in Gockhausen, einem Vorort Zürichs, einen idealen Arbeitsplatz. Hier entstanden das Stück „Triptychon“ und die Erzählung „Montauk“. Am 16. März 1976 schrieb Frisch an seinen befreundeten Schriftsteller Uwe Johnson über seine Arbeit in Gockhausen: “Seit zehn Tagen arbeite ich wieder hier, im Atelier von Honegger. Ich habe viel Platz, eine lange leere Wand zum Anheften meiner Blätter und kann so meine Gedanken ordnen.” Dieses Stück wurde schließlich als „Triptychon“ veröffentlicht, das Frisch Gottfried Honegger gewidmete.
Gottfried Honegger hatte 1954 mit seiner Frau Warja Lavater ein Grundstück in Gockhausen erworben und drei einfache Holzatelierhäuser errichtet. In den siebziger Jahren zogen weitere Künstlerinnen und Künstler zu diesen Bauten, die an die skandinavische Moderne angelehnt waren.
Max Frisch, umgeben von Natur in Gockhausen, fand einen perfekten Rückzugsort für seine Arbeit an dem abstraktesten Stück seiner Karriere: „Triptychon. Drei szenische Bilder“, das ursprünglich als Hörspiel ausgestrahlt wurde und später in Lausanne uraufgeführt wurde, mit weiteren Aufführungen in Warschau und Wien.
Eine geplante Inszenierung in Frankfurt scheiterte, da das Ensemble das Stück als zu unpolitisch ablehnte. Doch für Frisch selbst war „Triptychon“ ein existenzielles Werk, indem er sich mit der Vergänglichkeit des Lebens auseinandersetzte.
Die Trennung zwischen seinem Wohnort in Küsnacht und dem Arbeitsplatz in Gockhausen ermöglichte es Frisch, ungestört zu arbeiten. In einem Brief an Uwe Johnson beschrieb er Gockhausen als einen Ort, wo die Geister ruhen konnten, ohne sich vor Besuchern verstecken zu müssen.
Bereits zwei Jahre früher hatte das Atelier von Gottfried Honegger Frisch als Rückzugs- und Schaffensort gedient. Hier begann er mit der autobiografischen Erzählung „Montauk“, die seine Ehekrise thematisierte, ausgelöst durch eine Affäre während einer Lesereise in den USA.
In „Montauk“ reflektiert Frisch über das langweilige Leben abseits des Schreibens und versucht, ohne Fiktion zu berichten. Er wollte nur die aktuelle Gegenwart einfangen, was sich als schwierig herausstellte, da Vergangenes immer wieder Einfluss nahm.
Die Arbeit an diesen Werken in Gockhausen war für Frisch eine Möglichkeit, durch direkte Darstellung des Lebens Kunst zu erschaffen. Trotz der Herausforderung arbeitete er intensiv und nur dort, wo die Mittagspause ihn überkam, legte er sich kurz hin oder spazierte.
Als „Montauk“ 1975 veröffentlicht wurde, lobte auch Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki das Werk. Die Erzählung beschäftigt sich mit dem Älterwerden und den persönlichen Erfahrungen Frischs in den USA. Trotz der positiven Rezeption nahm Marianne Frisch die Publikation übel.
Schließlich begann Max Frisch, inspiriert durch „Montauk“, über sein eigenes Sterben zu schreiben. Wiederum bot ihm Gottfried Honegger seine Gastfreundschaft an. In seinem Atelier in Gockhausen entwickelte er Dialoge zwischen Lebenden und Toten in „Triptychon“.
Während die Reaktionen auf „Montauk“ positiv waren, blieben die Rückmeldungen zu „Triptychon“ verhalten. Nur wenige Freunde wie der rumänische Philosoph Emil M. Cioran erkannten dessen Tiefe. In Gockhausen schuf Frisch somit zwei einzigartige Werke: eine autobiografische Erzählung und ein fiktives Drama, beide geprägt von seiner Suche nach Wahrheit und Idealität in der Liebe.