Schon als Kind erlebte Ruth Hirschfeld einzigartige Momente neben Persönlichkeiten wie Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt. Heute ist sie bekannt als die erste professionelle Casterin der Schweiz, mit einem beeindruckenden Portfolio, das Filme wie «Die göttliche Ordnung» oder «Der Goalie bin ig» umfasst sowie TV-Serien wie «Fascht e Familie». In einem Gespräch in ihrer Zürcher Wohnung spricht sie über die Herausforderungen ihres Berufes, den Einfluss von #MeToo und ihren berühmten Vater Kurt Hirschfeld.
Hirschfelds Weg ins Casting war keineswegs vorgezeichnet. Trotz einer Lehre als Buchhändlerin fand sie schließlich ihre Passion im Filmgeschäft, inspiriert durch Zufälle und wichtige Begegnungen. Ihre Rolle beim Schweizer Fernsehen, wo sie die Schauspieler für Produktionen wie «Fascht e Familie» auswählte, zeigte ihr Talent, Menschen zu finden, die perfekt zu Rollen passten.
Ihre Methode? Sie liest Drehbücher und sieht sofort Gesichter vor sich. Hirschfelds Besetzung von Sandra Moser in «Fascht e Familie» markierte einen Wendepunkt für Vielfalt im Schweizer Fernsehen, obwohl die Entscheidung zunächst auf Bedenken stieß. Mit der Diversitäts-Checkliste von 2022 betont sie die Wichtigkeit, den besten Schauspieler für jede Rolle zu finden, ohne dabei die kreative Freiheit einzuschränken.
Hirschfelds Karriere war nicht frei von Herausforderungen. Sie erinnert sich an ihre Zeit als Regieassistentin und die damals unvermeidlichen Übergriffe. Mit der #MeToo-Debatte erlebte sie eine positive Veränderung in der Filmbranche, wobei klare Richtlinien nun Missbrauch verhindern sollen.
Ihr Engagement für das Filmemachen zeigt sich auch darin, dass sie zum ersten Mal vor der Kamera stand – im Film «Hirschfeld – Unbekannter Bekannter» über ihren Vater. Diese Erfahrung gab ihr tiefe Einblicke in die Schauspielerei und die emotionale Belastung des Berufes.
Im Rückblick auf ihre Karriere, die nun zu Ende geht, ist Hirschfeld stolz auf den Fortschritt im Castingbereich. Sie hat diesen Weg geprägt und blickt nun voller Stolz darauf zurück, während sie ihrer Tochter als Schauspielerin und Musikerin zuschaut.