Im Vorfeld des geplanten Besuchs von US-Präsident Donald Trump in Peking Mitte Mai hat China seine diplomatische Position gegenüber dem Iran gestärkt. Chinas Aussenminister Wang Yi traf sich am Mittwoch mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghchi, um Lösungen für die langfristige Deeskalation der Golfkrise zu erörtern.
Wang Yi appellierte an Araghchi, weitere Verhandlungen mit den USA aufzunehmen. «Eine Einigung über eine umfassende Waffenruhe duldet keinen Aufschub», unterstrich Wang, «es muss vermieden werden, dass die Kämpfe wiederaufgenommen werden.» China zeigte sich bereit, bei der Friedensvermittlung aktiv mitzuwirken.
Die chinesische Regierung hatte bereits eine Schlüsselrolle in den Verhandlungen über die momentan bestehende, aber prekäre Waffenruhe zwischen den USA und Iran gespielt. Kurzfristig konnte Peking das iranische Regime dazu bewegen, zu Gesprächen mit den USA nach Pakistan zu reisen.
Araghchi dankte Wang für Chinas Unterstützung und lobte die konstruktive Haltung gegenüber dem Konflikt. Er betonte, dass China eine stärkere Rolle bei der Beendigung des Kriegs übernehmen wolle. Die Ankunft Araghchis in Peking nur eine Woche vor Trumps geplantem Besuch verleiht China erneut die Rolle als Vermittler in der Golfkrise.
In diesem Zusammenhang kündigte Trump am Dienstag an, dass die USA mit den Eskorten von Schiffen in der Strasse von Hormuz aufhören würden. Diese waren erst am Montag verfügt worden, während die Blockade iranischer Häfen durch die USA weiterhin besteht.
Nachdem sich zu Beginn der Woche Kampfhandlungen in der Golfregion wieder intensiviert hatten und Iran Ziele in den VAE angriffen, scheinen die USA nun auf Entspannung zu setzen. Trump bemühte sich am Dienstag darum, die Spannungen mit China im Kontext der Krise zu entschärfen, indem er Xi Jinping als respektvollen Partner lobte.
Die Golfkrise bietet China die Möglichkeit, sich als stabiler und verlässlicher Partner hervorzuheben. Der US-Präsident könnte bei seinem Treffen mit Xi kommende Woche viele Fragen beantworten müssen, insbesondere über die globale Energieversorgung.
US-Aussenminister Marco Rubio rief China am Dienstag auf, seinen Einfluss auf Araghchi geltend zu machen und zur Aufhebung der Blockade in der Meerenge beizutragen. Währenddessen stocken US-Iran-Verhandlungen, während China proaktiver wird.
Peking zeigt sich unbeeindruckt von den amerikanischen Sanktionen gegen mehrere chinesische Erdölraffinerien, die Rohöl aus Iran verarbeiten. In einem beispiellosen Schritt forderte China diese Unternehmen auf, die US-Sanktionen zu ignorieren und ihre Produkte weiterhin international zu vertreiben.
Xi Jinping hatte bereits eine schnelle Öffnung der Strasse von Hormuz gefordert. Obwohl China über bedeutende Rohölreserven verfügt, könnte eine längere Blockade seine Importe aus der Golfregion beeinträchtigen, da rund die Hälfte des chinesischen Rohöls aus dieser Region stammt und ein Großteil der iranischen Ölproduktion nach China exportiert wird.