Am frühen Morgen begibt sich Sandro Zürcher, ein Jäger aus dem Aargau, zu einem eingefangenen Waschbär. Das Tier hatte in einem alten Hausdachstock eine Kastenfalle ausgelöst und so eine Nachricht auf Zürchers Handy gesendet. Bereits der siebte Fall innerhalb von zwei Jahren ereignete sich im kleinen Dorf Wil. Im Auftrag des Aargauer Kantons führt Zürcher seine Tätigkeiten durch, um den Waschbär zu erlegen. ‘Sie sind niedlich, können aber großen Schaden anrichten’, erklärt er.
Thomas Amsler, zuständig für das Vogelschutzreservat am Klingnauer Stausee, beschreibt die Tiere als fähige Jäger sowohl auf dem Boden als auch in Bäumen. Sie stellen eine Bedrohung für heimische Arten dar und verursachen Schäden an Gebäuden sowie übertragen Krankheiten wie den gefährlichen Spulwurm, der Leber und Lunge angreift.
Nach Meldungen eines Anwohners im Umfeld des Vogelschutzgebietes hat Amsler eine Kastenfalle aufgestellt. Marshmallows und Rosinen dienen als Köder. Doch die Gefangennahme von Waschbären ist anspruchsvoll.
In Deutschland gibt es rund zwei Millionen Tiere, während deren genaue Anzahl in der Schweiz unbekannt bleibt. Die Abschusszahlen im Kanton Aargau haben sich jedoch innerhalb eines Jahres verdoppelt. Als Neozoen gefährden Waschbären heimische Amphibien und Vögel wie den stark bedrohten Kiebitz, einen Bodenbrüter.
Laut Sarah Hummel von der Schweizer Informationsstelle info fauna ist die Schweiz am südlichen Rand des Verbreitungsgebietes. Die Dichte könnte sich innerhalb von zwei bis drei Jahrzehnten wie im Norden Deutschlands entwickeln. Vertreiben lassen sie sich nicht, aber ihre Ausbreitung lässt sich bremsen.