Seit einem Jahr ist Friedrich Merz deutscher Bundeskanzler. Die Umfragewerte sind niedrig, und die Koalition befindet sich im Streit. Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der FDP fordert in «Tagesgespräch» eine härtere Gangart gegenüber der Regierung und den Feinden der Demokratie.
Strack-Zimmermann ist seit 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses. Davor saß sie von 2017 bis 2024 im Deutschen Bundestag.
SRF News fragt Friedrich Merz nach seiner ersten Amtsjahr als Bundeskanzler: Wie lautet Ihre Bilanz?
Marie-Agnes Strack-Zimmermann antwortet: Merz hat die Realität überholt. Viele Versprechen, die er in der Opposition gemacht hat, wurden nicht eingelöst, was zu großer Frustration führt. Das Amt des Kanzlers ist erstrebenswert, aber auch herausfordernd und nichts für Weicheier.
Sie nennen ihn einen Weichei?
Ich sage, dass er an seine Grenzen stößt. Die internationale Krisenlage, eine schwächelnde Wirtschaft und übermäßige Regulierung schaffen eine toxische Mischung. Die Koalition war offensichtlich nicht bereit, sich aufeinander zuzubewegen. Merz hat es sich zu leicht vorgestellt. Die Menschen sagen zurecht: Wir haben so viele Herausforderungen – jetzt müsst ihr zusammenhalten!
Sie bezeichnen den Iran als «Pestbeule». Rechtfertigt das einen Krieg?
Die Mullahs nutzen Stellvertreter wie die Hamas, Hisbollah und Huthis, um unsere Freiheit zu bedrohen. Sie sind gegen den Westen im Krieg. Zudem hat der Iran sein Uran auf 60 Prozent angereichert – ein klarer Weg zur Atombombe. Ein Angriff kann nachvollziehbar sein.
Manche nennen Sie eine Kriegstreiberin. Was ist Ihre sicherheitspolitische Linie?
Die alten Römer sagten: Rüste dich für den Krieg, damit er nie kommt. Das ist meine Überzeugung. Seit 1989 haben wir in Europa abgerüstet, aber die Feinde unserer Freiheit sind aufgerüstet. Nur wer stark ist, kann friedlich leben. Wer mich deswegen eine Kriegstreiberin nennt, irrt sich. Ich bin eine Friedenstreiberin: Wir müssen stark sein, um uns zu schützen.
Die FDP liegt bei drei Prozent und scheint im freien Fall zu sein. Glaubt der politische Markt nicht an die Partei?
Wenn unsere Botschaft beim Volk nicht ankommt, muss man über das Angebot nachdenken. Der Freiheitsgedanke ist aktueller denn je: Wir wollen einen Staat, der Sicherheit garantiert und gleichzeitig Freiräume für Eigenverantwortung lässt – diesen Kern haben wir bisher nicht genug in den Mittelpunkt gestellt.
Das Gespräch führte David Karasek.