Die Befürchtungen, dass Rechenzentren den Strombedarf in der Schweiz dramatisch erhöhen könnten, scheinen sich laut einer neuen Bundesstudie zu zerstreuen. Diese Einrichtungen sind integral für zahlreiche Internetaktivitäten wie das Abrufen von Webseiten und Speichern von Daten in der Cloud. KI-Anwendungen haben den Bedarf an Rechenkapazität weiter gesteigert, wobei Unternehmen vermehrt externe Serverkapazitäten bei Großunternehmen wie Google, Amazon und Microsoft beziehen.
Trotz des Booms der Rechenzentren zeigt die Studie der Hochschule Luzern im Auftrag des Bundesamtes für Energie (BfE), dass ihr Stromverbrauch weniger dramatisch ist. 2024 lag dieser bei 2,1 Terawattstunden, etwa 3,6 Prozent des gesamten Verbrauchs – ein Anstieg von nur rund 20 Prozent seit 2019.
Die Studie führt diesen moderaten Zuwachs auf zwei gegenläufige Entwicklungen zurück: Während der Strombedarf in großen kommerziellen Rechenzentren um über 80 Prozent gestiegen ist, verringert sich dieser bei vielen firmeninternen Anlagen. Viele Firmen entscheiden sich dafür, ihre eigenen Serverkapazitäten zu reduzieren oder komplett auf externe Lösungen wie Colocation- und Cloud-Angebote umzusteigen.
Effizienzgewinne durch Verlagerung in größere Rechenzentren tragen ebenfalls zur Dämpfung des Strombedarfs bei. Diese verfügen über moderne Kühltechnologien, höhere Auslastungen und effizientere Virtualisierungsprozesse, wodurch für die gleiche IT-Dienstleistung weniger Ressourcen benötigt werden. Trotzdem besteht laut Studie weiterhin ein Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz; eine Optimierung könnte mehr als ein Drittel des Stromverbrauchs einsparen.
Die öffentliche Diskussion über den hohen Energiehunger durch künstliche Intelligenz wird in der Studie relativiert. KI-Projekte, die besonders energieintensiv sind, finden selten in der Schweiz statt; diese werden eher in Länder mit niedrigeren Stromkosten verlagert. In der Schweiz konzentriert man sich vor allem auf die Nutzung bestehender Modelle und kleinere Anwendungen.
Bis 2030 prognostiziert die Studie einen moderaten Anstieg des Stromverbrauchs von Rechenzentren auf 4,3 bis 5,6 Prozent des Gesamtverbrauchs, wobei der Verbrauch kommerzieller Zentren sich mehr als verdoppeln könnte. Die Swiss Data Center Association (SDCA) sieht die Studie als Bestätigung ihrer Position: Schweizer Rechenzentren seien keine Quelle für unkontrollierten Stromanstieg, sondern für eine effizient wachsende digitale Infrastruktur. Das Bundesamt beabsichtigt, den Verbrauch und die Effizienz in der Zukunft intensiver zu überwachen.