Der umstrittene Verbandspräsident hat eine neue Staatsbürgerschaft angenommen, um seine Position in der FIS zu behaupten. Doch viele nationale Verbände möchten ihn loswerden.
Während die Fußball-WM am 11. Juni beginnt und für viele Menschen weit entfernt scheint, könnte dieser Tag entscheidend für die Zukunft des Schneesports sein. An diesem Datum findet der Kongress des Internationalen Skiverbandes (FIS) statt, bei dem ein neuer Präsident gewählt wird. Entweder bleibt Johan Eliasch für weitere vier Jahre im Amt oder einer seiner vier Konkurrent*innen übernimmt.
Die Zahl der Mitgliedsverbände wächst, die auf einen Wechsel setzen. Sie sind unzufrieden mit dem Verhalten und Führungsstil des Milliardärs, der sich 2021 gegen den damaligen Swiss-Ski-Präsidenten Urs Lehmann durchsetzte. Seit Eliaschs Amtszeit begann es häufig zu Konflikten.
Kritikpunkte an Eliasch sind zahlreich: Interessenkonflikte, Intransparenz bei finanziellen Entscheidungen in Millionenhöhe, Blockade wichtiger Themen und das Vorenthalten von Informationen. Die Verbände hatten gehofft, er würde die FIS modernisieren und kommerzielle Potenziale besser nutzen.
Die großen Verbände äußern sich nicht öffentlich zu ihrer Wahlabsicht, da sie befürchten, Eliasch könnte alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Gegenkandidat*innen zu verhindern. Auf der Kandidatenliste stehen die Dänin Anna Harboe Falkenberg, Victoria Gosling aus Großbritannien, der Liechtensteiner Alexander Ospelt und Dexter Paine aus den USA. Alle betonen in ihren Dossiers die Bedeutung von Transparenz und Vertrauen.
Ein Detail auf der Wahlliste zeigt den schwindenden Rückhalt für Eliasch: Er muss von einem nationalen Skiverband nominiert werden und dessen Pass besitzen. Da weder Schweden noch Großbritannien ihn nominieren wollten, erwarb er die georgische Staatsbürgerschaft.
Die Kandidatenliste erschien erst am 22. April; ob Eliaschs neuer Pass rechtzeitig vorgelegen hat, ist unklar. Die FIS bestätigt dies, doch Fragen stehen auch zum Prüfungskomitee im Raum, dessen Vorsitzender Rory Tapner einst für Eliasch arbeitete.
Eliaschs Nominierung durch Georgien ist nur ein Detail in einem umfassenden Problemfeld: Er gilt als schwer erreichbar, ignoriert oft den Rat des Councils und lässt Fragen unbeantwortet. Beispielsweise wurde die zentrale Vermarktung der Weltcup-Medienrechte bis 2024 durchgeführt, doch der Prozess war von Konflikten geprägt.
Ein Beispiel für Unstimmigkeiten war die Zustimmung zum WM-Vertrag in Crans-Montana 2027, bei dem Eliasch seine Unterschrift zwei Jahre hinauszögerte. Die größte Kritik richtet sich gegen seine Nebentätigkeit als Eigentümer von Head und unklare Finanzen.
Die FIS ging mehrfach vor Gericht, was Millionen kostete. Auch die finanzielle Zukunft des Verbandes bereitet Sorgen wegen hoher Personalkosten und geheimen Deals wie dem mit Aserbaidschan als Premiumpartner für 2025.
Ein weiterer Alleingang war 2025 die Schaffung eines FIS-CEO-Postens, der von Urs Lehmann besetzt wurde, ohne Einbeziehung des Councils. Viele erhofften sich durch Lehmann eine Entspannung, doch Frust über Eliaschs Amtsführung bleibt.
Die Zukunft des Schneesports steht vor großen Herausforderungen. Auf Nachfrage der NZZ äußerte sich die FIS nicht zu den Vorwürfen gegen Eliasch.
Seit Montag finden in Slowenien die Frühlings-Meetings der FIS statt, was zahlreiche Gespräche anregt, obwohl Wahlkampfaktivitäten eingeschränkt sind. Es zeichnet sich ab, dass Eliaschs Gegner auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen könnten.
Von den 141 Mitgliedsverbänden der FIS sind rund 80 stimmberechtigt; die größeren Verbände stehen einem Wechsel positiv gegenüber. Es bleibt schwierig, kleinere und weniger aktive Verbände zu überzeugen, deren Existenz von den Zuwendungen des Verbandes abhängt.
Eliaschs Gegner unterschätzen ihn nicht.