Angesichts einer vorübergehenden Entspannung im Konflikt mit dem Iran erwägen die USA dennoch eine mögliche militärische Eskalation. Eine auf Landeoperationen spezialisierte Kampfgruppe ist bereits in der Golfregion eingetroffen und bereitet sich auf mögliche Aktionen vor, wobei die strategisch wichtige Insel Kharg im Visier steht.
Die amerikanischen Streitkräfte haben kürzlich militärische Einrichtungen auf Kharg zerstört, was den Weg für eine Besetzung der etwa 30 Kilometer vor der iranischen Küste gelegenen Insel ebnet. Diese ist zentraler Knotenpunkt des iranischen Erdölexports und könnte im Fokus amerikanischer Strategiepläne stehen.
Admiral Brad Cooper, Chef des US-Zentralkommandos, setzt auf die Marines für einen möglichen Einsatz. Eine amphibische Kampfgruppe um den Helikopterträger USS «Tripoli», zwei Docklandungs- und zwei Kriegsschiffe ist am 18. März durch die Straße von Malakka gesegelt und wird bald im Arabischen Meer eintreffen, bereit für eine mögliche Operation gegen Kharg.
Die 31. Marine Expeditionary Unit (MEU) an Bord der drei amphibischen Schiffe verfügt über 2200 Marines sowie etwa 30 Helikopter und Flugzeuge, darunter F-35B-Kampfflugzeuge, Osprey-Hubschrauber, Viper-Kampfhelikopter und CH-53E Super Stallion. Sie sind mit Luftkissenfahrzeugen, Landungsbooten, Himars-Geschützen, Fliegerabwehrsystemen und gepanzerten Fahrzeugen ausgestattet.
Die amphibischen Schiffe sind flexibel verteilt, um die Flugoperationen zu maximieren. Einige Helikopter wurden auf Docklandungsschiffe verlagert, die ebenfalls über große Flugdecks verfügen. Solche amphibische Bereitschaftsgruppen, bekannt als „Schweizer Offiziersmesser“, sind vielseitig einsetzbar für Operationen wie Evakuierungen, Katastrophenhilfe oder Anti-Terror-Aktionen.
Die in den Persischen Golf beorderte Kampfgruppe ist normalerweise Teil der amerikanischen 7. Flotte im Westpazifik und ihre Verlegung schafft eine Lücke dort. Ihre Präsenz könnte zur Sicherung der Strasse von Hormuz nützlich sein, doch für Kharg sind spezielle Planungen erforderlich, die Unterstützung durch Marine- und Luftwaffe einschließen.
Die USA haben bereits die Luftherrschaft über dem iranischen Luftraum erlangt, was Handlungsspielraum bietet, jedoch keine absolute Sicherheit gegen iranische Gegenangriffe. Die Besatzung Khargs würde eine sorgfältige Planung und Eskorte von Kampfschiffen benötigen.
In einer möglichen Operation wird zunächst Aufklärung betrieben, um aktuelle Bedingungen zu prüfen und Widerstandsnester auszuschalten. Daraufhin sichern Vorausdetachements die Lande- und Anlandezonen, unterstützt durch Luft- und Schiffsfeuerkraft.
In der dritten Phase erfolgt die Anlandung von Marineeinheiten mit verschiedenen Fahrzeugen, während Entminungs- und Sprengspezialisten dabei sind. Der „Pendelbetrieb“ bringt weitere Materialien an Land, wobei räumliche Luftherrschaft entscheidend bleibt.
Obwohl die Marines gut auf solche Aufgaben vorbereitet sind, bleiben Fragen offen: Wird die 31. MEU allein eingesetzt oder werden Spezialkräfte und Elemente der 82. Luftlandedivision hinzugezogen? Eine weitere amphibische Gruppe könnte bald folgen.
Jürg Kürsener ist Marineexperte und früherer Schweizer Militärattaché.