Die SPD erlebt erneut eine schwere Niederlage bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, was das Scheitern nach 35 Jahren an der Macht markiert. Sie erreichte lediglich 25,9 Prozent und verlor gegenüber 2021 um 9,8 Prozentpunkte. Auch die Bundestagswahl in Baden-Württemberg zeigte mit nur 5,5 Prozent ein schwaches Ergebnis für die Partei, deren Umfragewerte seit Ende 2023 auf etwa 15 Prozent gesunken sind.
Historisch gesehen war die SPD die Stimme der Industriearbeiter. Doch Globalisierung und Automatisierung führten ab den 1980er Jahren zu einem massiven Jobverlust in Deutschland, was den Rückgang dieser Wählerschichten beschleunigte. Gleichzeitig entstanden neue soziale Schichten, wie die prekär Beschäftigten oder die akademische Mittelschicht, denen sich die SPD bisher nur bedingt annähern konnte.
Die Partei stützt sich hauptsächlich auf ältere Wähler: Bei der Bundestagswahl 2025 waren fast die Hälfte ihrer Unterstützer über 60 Jahre alt. Nur ein Viertel war unter 34 Jahre.
Die deutsche Industrie, insbesondere in der Auto- und Chemiebranche, kämpft mit Produktionsrückgängen und Stellenabbau. Politologe Wolfgang Merkel merkt an, dass die SPD die Auswirkungen dieser Entwicklungen unterschätzt hat und oft als “Bürgergeldpartei” wahrgenommen wird. Dies verstärkte sich durch die Umbenennung des Arbeitslosengeldes II in Bürgergeld im Jahr 2023.
Die Erhöhung des Bürgergelds zum Jahresbeginn 2024 löste Kritik aus, da viele Haushalte mit vielen Kindern nun Leistungen erhielten, die denen geringer Einkommen entsprachen. Dies führt zu der Frage, warum man sich überhaupt noch anstrengen sollte.
Einstige prägende SPD-Figuren wie Willy Brandt und Gerhard Schröder fehlen heute, wobei aktuelle Parteivorsitzende als mangelhaft im Charisma betrachtet werden. Das Parteiensystem in Deutschland ist pluraler geworden; Konkurrenz entstand mit den Grünen (1980), den Republikanern (1983) und der Linken (2007).
Die SPD befindet sich seit 2005, dem Jahr des Verlusts gegen Angela Merkel, in einer Dauerkrise. Reformen wie die Agenda 2010 waren innerhalb der Partei umstritten. Die Forderung nach einem klaren Profil bleibt ungeklärt.
Migrationsthemen wurden von der SPD lange Zeit unterschätzt, was zu dem Eindruck führte, dass Sorgen über Integration und Kriminalität nicht ernst genommen werden. Merkel kritisiert das Scheitern offener Debatten darüber, wie Migrationsströme gesteuert werden könnten. Dies hat die SPD im Wettstreit mit der AfD benachteiligt.