Seit dem Jahr 2010 ist der private Konsum in der Schweiz laut Studienautoren um über 22 Prozent real angestiegen, während die Umsätze im stationären Einzelhandel lediglich um etwa 4 Prozent zugenommen haben. Dies sei auf das Wachstum des Onlinehandels, veränderte Konsumgewohnheiten und sinkende Preise in vielen Produktkategorien zurückzuführen. Besonders auffällig ist der Rückgang der Umsätze pro Kopf und pro Quadratmeter Verkaufsfläche um rund 9 Prozent seit 2010 – ausgenommen ein pandemiebedingter Anstieg im Jahr 2021. In diesem Zeitraum sank auch die Beschäftigung im Einzelhandel um fast 7 Prozent.
Von 2019 bis 2025 ist die Zahl der Gastronomiebetriebe in der Schweiz um 6 Prozent gestiegen, während sich die Anzahl der Lebensmittelläden um 14 Prozent erhöht hat. Im Gegensatz dazu verringerte sich die Zahl der Non-Food-Geschäfte um 7 Prozent. Zudem wachsen Dienstleistungsbereiche wie Psychotherapie- und Physiotherapiepraxen, Kinderbetreuung und Fitnesszentren.
In den Grossstädten zeigt sich dieser Wandel besonders deutlich. Dort entwickeln sich Innenstädte von traditionellen Versorgungspunkten zu sozialen Erlebnislandschaften, wie die Autoren der Studie feststellen. Mit dem Aufkommen des Online-Shoppings entstanden neue Ladenformate in den Städten, darunter Abholstationen für online bestellte Produkte, oft kombiniert mit Showrooms, da das physische Anfassen und Ausprobieren von Waren nach wie vor wichtig ist.
Parallel dazu drängen Händler, die ursprünglich in Agglomerationen ansässig waren, zunehmend in städtische Zentren. Beispiele hierfür sind der Möbelriese Ikea und der Sportartikelhändler Decathlon.
Die Studie von Wüest-Partner identifiziert die Digitalisierung und veränderte Konsumentenpräferenzen als Haupttriebkräfte dieses Strukturwandels. Im Non-Food-Bereich hat sich der Onlineanteil seit 2019 von 9 auf 18 Prozent verdoppelt, mit besonders hohen Anteilen im Fashion-Sektor bei rund 30 Prozent. Der Onlinehandel spielt im Food-Segment jedoch mit weniger als 4 Prozent eine untergeordnete Rolle.
Die Transformation der Innenstädte beeinflusst auch die Mietpreise. In Metropolen wie Zürich oder Genf steigen die Preise weiterhin, während sie in kleineren Städten wie Basel, Lausanne oder Bern stagnieren oder sinken. Die hohen Ladenpreise im internationalen Vergleich schränken vor allem kleinere Marken bei der Standortwahl ein, was zur Angleichung der Innenstädte beiträgt. Bei stabilen Mietpreisen eröffnet sich jedoch Spielraum für kleinere Akteure.