Behörden mit schlechter Führungsstruktur sind sowohl nach innen als auch nach aussen verwundbar. Eine Lösung ist nicht allein die Rekrutierung zusätzlicher Mitarbeiter.
Der Vorfall scheint aus einem Krimi entliehen: Ein Angestellter des Bundesamts für Polizei (Fedpol) soll vertrauliche Daten an die Drogenmafia verkauft haben. In der vergangenen Woche wurde er festgenommen. Er war zuletzt im Bundessicherheitsdienst als Personenschützer tätig und hatte Zugriff auf sensible Informationen über kriminelle Netzwerke, wie das Fedpol SRF gegenüber bestätigte. Damit kannte er die laufenden Ermittlungen genau – ein wertvolles Wissen für kriminelle Gruppen.
Dieser Fall ist besonders gravierend, da der Kampf gegen mafiöse Strukturen zu den Hauptaufgaben des Fedpol gehört. Die Entdeckung löste Empörung aus; es wurde von einer „unterwanderten Polizei“ gesprochen. Fedpol-Direktorin Eva Wildi-Cortés zeigte sich in einem Video betroffen und äusserte: „Doch nicht in der Schweiz.“ Dennoch hätte dieser Vorfall niemanden überraschen dürfen.
Das Fedpol warnte schon seit Jahren vor der Nutzung der Schweiz als Operationsraum durch organisierte Kriminalität. 2024 erklärte die damalige Direktorin Nicoletta della Valle, Politiker trafen sich mit Vertretern der organisierten Kriminalität zum Mittagessen. Diese Warnungen richteten sich nach aussen, während intern Missstände bekannt wurden. Della Valle geriet wegen ihres Führungsstils unter Beschuss; ihr wurde vorgeworfen, zu sehr auf Mikromanagement zu setzen und die Stimmung im Haus sei schlecht.
Ein Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle bestätigte diese Kritik. Die oberste Leitung des Fedpol werde negativ beurteilt, es herrsche Silodenken und eine hohe Fluktuation – ein gefährliches Zeichen für Sicherheitsbehörden.
Die Antwort der Fedpol-Führung auf die internen Probleme war oft: mehr Personal. Die Finanzkontrolle bestätigte den Personalmangel, kritisierte jedoch auch das unzweckmässige Management der vorhandenen Ressourcen – ein überdimensionierter Stab bei gleichzeitiger Knappheit an Ermittlern.
Vor einem Jahr übernahm Wildi-Cortés die Führung des Fedpol. Sie verspricht flachere Hierarchien und schnellere Entscheidungsprozesse. Ob sich die Mitarbeiterzufriedenheit verbessert hat, wird eine zukünftige Umfrage zeigen.
Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) will diesen Aspekt genau verfolgen. Ein Mitglied betonte gegenüber den Tamedia-Zeitungen, dass der Fokus auf Personalzufriedenheit und einer modernen Führungskultur liegen müsse. Zufriedene Mitarbeiter seien weniger anfällig für Einflussnahme.
Die Politik plant die Schaffung von 100 bis 200 neuen Stellen – allerdings nur, wenn zukünftige Umfragen keine weiteren gravierenden Führungsmängel aufzeigen würden. Auch der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) kämpfte mit ähnlichen Problemen: viele Abgänge und unzufriedene Mitarbeiter, während die Aufsichtsbehörde von „Sicherheitsrisiken“ in den eigenen Reihen sprach.
Die zentrale Forderung auch beim NDB lautet nun auf mehr Personal. Dies ist nachvollziehbar, da andere Länder massiv in ihre Sicherheitsbehörden investieren und die Schweiz sonst zum Anziehungspunkt für Spione, Geldwäscher und Mafiabosse wird. Mehr Personal ist zweifellos ein Teil der Lösung, aber ebenso entscheidend ist eine moderne Führungskultur. Sicherheitsbehörden müssen ihre Mitarbeiter ernst nehmen, Vertrauen schaffen und Wandel vorleben – statt ihn lediglich von oben zu verordnen.