Trotz des Verlusts von Marktanteilen durch die Einführung einer Tiefpreisstrategie zeigt sich Migros-Chef Mario Irminger unbeeindruckt. Er erklärt im Interview, dass Preissenkungen bei der Migros zu Umsatzeinbußen geführt haben, jedoch auf längere Sicht mehr Kunden anziehen sollen.
Auf die Frage nach potenziell steigenden Kosten durch den Iran-Konflikt und Inflationswarnungen antwortet Irminger differenziert. Er betont, dass im Frischesortiment aktuell Überproduktion zu Preissenkungen führe und sieht im Non-Food-Bereich keine signifikanten Preissteigerungen aufgrund veränderter Schiffsrouten.
Trotz einer halben Milliarde Franken Investition in niedrigere Preise sank der Umsatz. Irminger rechtfertigt dies mit der Logik, dass Mengenausweitung zu sinkendem Umsatz und Marktanteil führt, betont aber das langfristige Ziel, durch attraktive Preise mehr Kunden anzuziehen.
Ein Überholen durch Coop sieht Irminger als unwichtig an. Er vertritt die Ansicht, dass der Fokus auf beste Leistung in verschiedenen Geschäftsfeldern wie Digitec Galaxus und Medbase liegt, um Kunden automatisch zu gewinnen. Das Selbstverständnis als Nummer eins wird nicht infrage gestellt.
In Verhandlungen mit Markenherstellern verfolgt die Migros das Ziel, ihre Ebit-Marge zu verbessern, was Irminger trotz temporär leerer Regale als notwendig erachtet. Der jüngste Konflikt mit Nestlé über Thomy-Mayonnaise wurde laut Irminger erfolgreich beigelegt.
Die Tiefpreisstrategie wird auch durch finanzielle Unterstützung der Markenhersteller ermöglicht, die trotz geringerer Zahlungen an Migros ihre Produkte auf gleichem Preisniveau belassen.
Der Gewinnanstieg im Jahr 2025 resultiert teilweise aus Verkäufen wie Hotelplan. Irminger sieht darin eine finanzielle Freiheit und einen Fokuswechsel der Migros auf Kernbereiche. Der Verkauf von Tegut wird als teure, aber richtige Entscheidung bezeichnet.
Trotz Autonomie der Regionalgenossenschaften betont Irminger die Notwendigkeit eines strukturellen Lernens aus Fehlentscheidungen. Mit Galaxus Deutschland verfolgt Migros das Ziel, bis 2029 profitabel zu werden und bessere Einkaufsbedingungen im deutschen Markt zu schaffen.
Abschließend stellt sich die Migros der Frage nach einer optimalen Organisationsstruktur, um künftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die mögliche Zusammenlegung von Regionalgenossenschaften wird diskutiert, während Irminger betont, dass es darum gehe, das Unternehmen erfolgreich in den Markt zu führen.