Eine erste Trendumfrage von SRG zeigt eine Pattsituation bei der 10-Millionen-Schweiz-Initiative mit einem ungewissen Ausgang. Nach einer Umfrage, die für Aufsehen sorgte – ein ‘Schock’ laut SP-Co-Präsident Cédric Wermuth und ein ‘Weckruf’ nach Meinung von FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher – zeigte eine Leewas-Umfrage, dass mehr Schweizer der Initiative zustimmen wollen. Diese führte zur Bildung zahlreicher Protestgruppen und zum Unterzeichnen eines linken ‘Manifests’ durch prominente Persönlichkeiten.
Die neueste GfS-Trendumfrage bestätigt das Patt mit 47 Prozent Zustimmung und Ablehnung, wie von Lukas Golder, Co-Leiter des Instituts, kommentiert. Unterschiedliche Einschätzungen beider Umfragen tragen zur Unberechenbarkeit bei: Die Leewas-Umfrage deutete auf eine überproportionale Ja-Stimmenrate unter Frauen hin (54 %), während die neueste GfS-Erhebung zeigt, dass 50 Prozent der Männer und nur 44 Prozent der Frauen zustimmen. Golder merkt an, dass sich dieses Verhältnis noch ändern könnte.
Einflussreiche Faktoren sind Parteizugehörigkeit und Vertrauen in das politische System: SVP-Wähler unterstützen die Initiative zu 95 Prozent, während SP- und Grüne-Wähler stark dagegen sind. Bei der FDP und den Mittepartei-Anhängern liegt die Zustimmung niedriger als bei Leewas erfasst, was Golder als stabil ansieht. Zudem ist das Vertrauen in den Staat entscheidend: Je weniger es vorhanden ist, desto wahrscheinlicher stimmt man Ja.
Die Meinungen sind auch durch soziodemografische Faktoren geprägt. So stimmten in einer früheren Umfrage nur ein Drittel der über 65-Jährigen zu, während nun nach GfS 47 Prozent zustimmen. Entscheidend ist dabei die berufliche Situation: Die stark von Konkurrenz betroffene Altersgruppe der 40- bis 64-Jährigen stimmt tendenziell Ja.
Der Wohnort spielt ebenfalls eine Rolle: Während Stadtbewohner und Akademiker eher Nein sagen, befürworten Agglomerationsbewohner die Initiative deutlich. In Vorstädten ist der Unmut aufgrund von Infrastrukturdruck besonders groß.
Die Unterschiede zwischen den Umfragen bestätigen einen Graben zwischen den sogenannten ‘Normalos’ und einer ‘kosmopolitischen Klasse’, wie sie SP-Doyen Rudolf Strahm beschreibt. Diese Kreise sind entschlossen gegen die Initiative, während viele auf dem Land und in Agglomerationen zustimmend stimmen.
Aktuell unterstützen 52 Prozent der Schweizer eine Änderung des Zivildienstgesetzes, was den Bundesrat und das Parlament mit sechs Verschärfungen konfrontiert. Ein Links-Rechts-Graben ist erkennbar: Grüne, SP und Grünliberale lehnen die Änderungen ab, während FDP- und SVP-Wähler zustimmen. Interessanterweise stimmen regierungskritische Personen häufiger zu als diejenigen mit Vertrauen in die Regierung – ein ungewöhnliches Muster laut GfS.