Gemäß einer Umfrage der SRG unterstützen 52 Prozent der Stimmberechtigten die Änderungen des Zivildienstgesetzes, während 40 Prozent dagegen sind. Die aktuelle militärische Lage in Europa spielt eine zentrale Rolle in dieser Debatte, wie Martina Mousson vom Forschungsinstitut GFS Bern betont: “Dies dominiert die Diskussion.” Das prominenteste Argument für die Vorlage – die langfristige Einsatzfähigkeit der Schweizer Armee zu sichern – wird von 73 Prozent unterstützt. Der Zivildienst steht jenen offen, die den Militärdienst aus Gewissensgründen nicht leisten können und ihr Anliegen durch eine höhere Diensttagezahl im Vergleich zum verbleibenden Militärdienst belegen müssen.
Das Ziel von Bundesrat und Parlament ist es, den Zivildienst auf diejenigen zu beschränken, die frühzeitig einen Gewissenskonflikt anmelden. Die Reform sieht vor, dass alle Zivildienstleistenden mindestens 150 Tage ableisten müssen – eine Maßnahme gegen das Referendum.
Politische Lager zeigen unterschiedliche Reaktionen: Grüne und SP lehnen die Vorlage stark ab (78 bzw. 76 Prozent), während SVP- und FDP-Anhänger sie am meisten befürworten (76 bzw. 71 Prozent). Trotz der ablehnenden Nein-Parole ihrer Mutterpartei würden immerhin 42 Prozent der GLP-affinen Stimmberechtigten zustimmen.
Interessanterweise unterstützen Regierungskritiker die Änderung stärker als jene, die dem Staat vertrauen. Dies steht im Gegensatz zum typischen Muster, wonach Behördenvorlagen bei Vertrauenden besser ankommen. Bei den Altersgruppen gibt es ebenfalls Unterschiede: Unter 40-Jährige sind eher dagegen (38 Prozent Ja), während die Gruppe der 40- bis 64-Jährigen sowie Pensionierte positiver gestimmt ist (55 bzw. 60 Prozent).
Männer befürworten die Vorlage mehrheitlich, junge Männer jedoch tendieren eher zur Ablehnung. Bei Frauen zeigt sich ein ausgeglichenes Bild. Die Zustimmung in der Deutschschweiz liegt mit 56 Prozent höher als in der Romandie (50 Prozent) und insbesondere im Tessin (40 Prozent).
Soziale Schichtunterschiede sind erkennbar, jedoch weniger stark: Nach Einkommen gibt es nur punktuelle Unterschiede. Bildungsniveau beeinflusst die Zustimmung ebenfalls; Personen mit tiefer bis mittlerer Schulbildung stimmen mehrheitlich zu, während Hochschulabsolventen nur relativ mehrheitlich zustimmen.
Die Debatte um die Volksinitiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz beeinflusst die Diskussion um den Zivildienst. Mousson sieht darin einen wesentlichen Faktor für die Vorlage: Es wird entscheidend sein, ob linke oder rechte Kräfte besser mobilisieren können.
Es ist noch zu früh, um definitive Schlüsse über das Abstimmungsergebnis ziehen zu können. Die Meinungen sind flexibel und Kampagnen könnten die Stimmung ändern. Die Umfrage wurde vom 20. April bis 3. Mai 2026 durchgeführt und umfasste 19’728 Stimmberechtigte, davon 15’129 aus der Deutschschweiz, 4255 aus der französischen und 344 aus der italienischen Schweiz. Der statistische Fehler beträgt ±2.8 Prozentpunkte.
Die telefonische Befragung umfasste 501 stimmberechtigte Personen per Festnetz und Handy, ergänzt durch Online-Teilnahmen von 18’721 sowie Social-Media-Antworten von 506 Personen. Die Stichprobenziehung erfolgte über ein Opt-in-Verfahren, wobei Gewichtungen nach Wohnort, soziodemografischen Merkmalen und politischem Faktor die Repräsentativität verbesserten.
Weitere Informationen sind auf der Seite des Forschungsinstituts GFS Bern verfügbar. Berichte zu den Abstimmungen vom 14. Juni 2026 finden Sie bei SRF 4 News, 08.05.2026, 06:00 Uhr.