Ein Jahr nach der Bildung der aktuellen Koalitionsregierung unter Kanzler Friedrich Merz zeigt eine Umfrage, dass seine Beliebtheit auf ein historisches Tief gefallen ist. 82 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Merz nicht überzeugend kommuniziert. Auch das Vertrauen in die Regierung selbst hat stark abgenommen: Nur noch 13 Prozent der Deutschen sind mit ihrer Arbeit zufrieden.
Der ARD-Deutschlandtrend vom April verzeichnete lediglich 15 Prozent Zufriedenheit – den bisher niedrigsten Wert. Auf der Beliebtheitsskala von Insa rangiert Merz unter 20 Spitzenpolitikern auf dem letzten Platz, deutlich hinter Alice Weidel von der AfD.
Claudia Kade, Ressortleiterin Politik bei «Die Welt», analysiert: “Merz hat bereits im Wahlkampf hohe Erwartungen geschürt und Versprechen gemacht, die er bislang nur teilweise einlösen konnte. In manchen Bereichen agierte er sogar entgegen seinen Ankündigungen.” Besonders kritisch ist der Eindruck, dass Merz sich nicht durchsetzen kann und viele Zugeständnisse an den kleineren Koalitionspartner SPD machen muss – ein Widerspruch zu den erhofften Reformbemühungen.
Die Unzufriedenheit mit seiner Kommunikationsweise resultiert aus einer als herablassend empfundenen Art, wie Kritiker in der eigenen Partei schon früher bemängelten. Dieses Verhalten belastet sein Ansehen zusätzlich.
Von dieser Unzufriedenheit profitieren vor allem die Ränder des politischen Spektrums: Die AfD zieht an, ohne aggressiv aufzutreten, und auch die Linkspartei gewinnt an Unterstützung. Sowohl die Union als auch die SPD verlieren an Zuspruch.
Um aus dem Umfragetief herauszukommen, sieht Claudia Kade nur Reformen als Lösung: “Es bedarf sichtbarer positiver Veränderungen im Land und der erfolgreichen Durchsetzung von wichtigen Reformvorhaben durch die schwarz-rote Koalition unter Merz.”
SRF 4 News, 08.05.2026, 7:20 Uhr; srf/lin;stal;noes