An der Leipziger Buchmesse treffen sich die unterschiedlichsten Genres und Vorlieben, von klassischen Werken bis zur neuesten Tiktok-Romantik. Schon am Hauptbahnhof begegnet man literarischen Einflüssen: Auf einem Plakat der Deutschen Bahn sind Auszüge aus Jane Austens ‘Stolz und Vorurteil’ für verschiedene Wartezeiten abgedruckt, mit dem Slogan ‘Lesen, bis der Zug kommt’. Eine Teenagerin neben dem Plakat kommentiert: “30 Minuten? Das lese ich in 5!”.
In Leipzig wird jede Minute genutzt. In überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln zum Messegelände greifen die Besucher zu ihren E-Readern, und während sie auf Kaffee oder sächsischen Blechkuchen warten, rezitieren Eltern Gedichte ihrem Nachwuchs.
Auf der Messe verwandeln sich manche in ihre Manga-Helden. Neben einer ZDF-Bühne posiert eine blauhaarige Frau im Anime-Look mit einem Vergissmeinnicht. In den Sanitärräumen wäscht sich ein bunter Haufen von Cosplayern die Hände.
Am Suhrkamp-Stand, wo Habermas-Ausgaben präsentiert werden, finden sich die sachlich gekleideten Besucher mit Adorno-Brillen ein. Lukas Rietzschel von DTV ist mit Signieranfragen überhäuft. Wenderoman-Fans und Manga-Liebhaber schieben sich geduldig durch den vollen Messebetrieb.
Romantasy, das Genre der Romantik trifft auf Fantasy, zieht besonders jüngere Besucher an. Diese Stände präsentieren ein optisches Hybrid aus düsteren und rosaroten Elementen. Verlage wie Argon und S. Fischer sind nun Teil dieses Hypes, den Volker Weidermann als gefährlich kritisiert.
Junge Frauen lauschen Autorinnen auf Podien zu, die über das ‘spice’ in ihren Romanen diskutieren: Wie viel Erotik ist angemessen? Würden dominante Männer und unterwürfige Frauen akzeptiert werden?
Gleichzeitig wirkt ein Streich der Autorin Sophie Passmann beinahe vergessend. Sie hat eine Treppe mit ihrem Buchtitel in riesigen pinkfarbenen Lettern versehen, was an Kulturstaatsminister Weimer denken lässt und nach dessen abgesagtem Messerundgang zu einem schmunzelnden Kommentar einlädt.
Die Begeisterung für Bücher hält auch abends an. Bei der Pizza wird über Charaktere wie ‘Ice’, ‘Kiss’ und ‘Nemesis’ diskutiert, wobei eine Freundin auf die Wichtigkeit von Klarheit im Romance-Plot pocht, während die Schriftstellerin davor warnt, Romantik falsch darzustellen. Ihre Freundin hält jedoch an der Vorstellung fest: Man liest aus Sehnsucht nach dem Happy End.