Als Robert Arlinghaus als Kind in Spanien mit seinen Eltern die Sommerferien verbrachte, war er fasziniert von den Männern am Strand, die mit geröteten Gesichtern und einer Zigarette im Mund angeln. Seine Eltern schenkten ihm daraufhin eine Angelrute. Der erste Fang waren kleine, schwarze Schleimfische. Mittlerweile ist Arlinghaus, der in Deutschland geboren wurde, 50 Jahre alt und Professor für integratives Fischereimanagement am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Er gilt als führender Experte für Angelthemen. Arlinghaus hat sich nicht nur fachlich weiterentwickelt, sondern auch seine Angelfähigkeiten verbessert; er kennt die Feinheiten beim Einsatz verschiedener Köder wie Jerkbait, Spinner und Wobbler. Auf dem Döllnsee bei Berlin führt er derzeit eine Studie durch, um zu untersuchen, ob intensives Angeln das Verhalten von Fischen verändert, wenn diese wieder freigelassen werden. Während einer solchen Feldstudie spricht Arlinghaus mit einem anderen Angler über Aberglauben am Angelplatz: Die Banane an Bord soll den Erfolg beeinträchtigen. Trotz der Skepsis gegenüber dieser Regel ist sie weit verbreitet und wird von niemandem praktiziert. Das Team hat einen Teil des Sees bereits intensiv befischt und die Fangrate im Vergleich zu späteren Ruhephasen analysieren wollen. Arlinghaus zieht den ersten Hecht aus dem Wasser, der mit einem Sender markiert ist. Er notiert die Daten und entlässt den Fisch zurück in den See. Arlinghaus hebt hervor, dass bisherige Diskussionen über das Verhalten von Fischen unter Angeldruck oft auf Bauchgefühl basierten; experimentelle Daten seien rar. Seine Forschungen belegen, dass 3,3 Millionen regelmäßige Angler in Deutschland und etwa 100.000 Personen in der Schweiz jährlich Hunderte Tonnen Fisch fangen. Während er seine Studie vorantreibt, wird Arlinghaus von Aktivisten kritisiert, die ihn als Angler-Lobbyist sehen. Doch Arlinghaus betont, dass er nur Aussagen trifft, wenn sie auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Die Forschung zeigt auch, dass Fische Schmerz möglicherweise anders empfinden als Menschen. Diese Arbeit löste Vergleiche mit Klimaleugnern aus und machte Arlinghaus zum Ziel von Kritik, obwohl er lediglich den aktuellen Stand der Wissenschaft bestätigte. Im Verlauf des Tages zeigt sich die Hypothese der Studie: Die Hechte beissen weniger häufig als Reaktion auf intensives Angeln. Dies könnte langfristige ökologische Folgen haben, da zu viel Fischfang vor allem aggressive und aktive Individuen dezimiert. Die traditionelle Methode zur Bestimmung von Fischbeständen durch Anglerberichte wird ebenfalls hinterfragt. Arlinghaus möchte klären, ob diese Praxis angepasst werden muss, um die ökologischen Auswirkungen zu minimieren. Er plädiert dafür, den Neubesatz von Jungfischen zu reduzieren und stattdessen natürliche Lebensräume wie Flachwasserzonen zu schaffen, um die Biodiversität zu fördern. Diese Ansicht steht im Einklang mit der Notwendigkeit, Gewässerflächen in Deutschland und der Schweiz deutlich auszuweiten, um den Verlust von Feuchtgebieten aufzuhalten. Am Ende des Tages bestätigt sich die Annahme: Fische passen ihr Verhalten an den Angeldruck an. Ein Foto mit allen Teilnehmern rundet die erfolgreiche Feldarbeit ab.