Peter Grünenfelder, Präsident des Verbands Auto-Schweiz, kritisiert das mangelnde Wirtschaftsverständnis in vielen Behörden. Im Vorjahr sollte der Anteil der Neuzulassungen mit Stecker bei 50 Prozent liegen, was aber nur auf 34 Prozent kam. Die Autobranche habe ihre Hausaufgaben gemacht; Kunden können aus rund 300 Elektromodellen wählen. Doch die Ladeinfrastruktur hinkt hinterher. Während in London und Oslo mehr Ladepunkte pro Einwohner vorhanden sind, bauen rot-grüne Städte lieber Parkplätze ab statt Strom für emissionsfreie Mobilität bereitzustellen.
Trotz Studien, die eine ausreichende Anzahl an Ladestationen in der Schweiz belegen, mangelt es vor allem in den Städten an solchen. Entlang der Autobahnen sei das Angebot hingegen genügend vorhanden. Die rot-grüne Politik begünstige jedoch keine Zunahme von Ladeinfrastruktur in urbanen Gebieten. Das Auto wird oft überideologisiert, was seine Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung übersieht.
Grünenfelder weist darauf hin, dass private Anreize fehlen und beispielhaft anführt, dass man in München mit Elektroautos gratis parken kann. Die Autobranche investiert selbst durch Projekte wie Ionity oder Milence, würde aber mehr tun, wenn der Strommarkt liberalisiert wäre. In der Schweiz sind die lokalen Versorger oft in öffentlicher Hand und schließen private Investoren aus. Ein liberalisierter Markt würde Wettbewerb fördern und zu niedrigeren Preisen führen.
Das Parlament hat beschlossen, dass Mieter den Anspruch auf eine eigene Ladeinfrastruktur haben sollen. Arbeitgeber könnten ebenfalls attraktiver werden, indem sie Mitarbeitenden das Laden ermöglichen. Die bestehende Stromversorgung reicht für die E-Mobilität aus.
Trotz höherer Anschaffungskosten gibt es mittlerweile Elektroautos in allen Preiskategorien. Neuste Modelle erreichen eine Reichweite von über 500 Kilometern, während der durchschnittliche Fahrbedarf bei knapp über 20 Kilometer pro Tag liegt.
Für die Nichterreichung der CO2-Ziele sieht sich die Autobranche mit Strafzahlungen von rund 125 Millionen Franken konfrontiert. Diese Summe gilt der parlamentarischen Kommission als verkraftbar, obwohl die Neuzulassungen auf einem historisch niedrigen Niveau sind.
Regulatorische Hindernisse in Form von Importsteuern und geplanten Abgaben für E-Autos seit 2030 hemmen zudem den Ausbau der Elektromobilität. Im Vergleich zu anderen Ländern mangelt es in der Schweiz an Anreizen wie Steuererleichterungen.
Trotz steigender fossiler Brennstoffpreise aufgrund von Konflikten, bleibt die Kaufneigung für Elektroautos durch wirtschaftliche Unsicherheiten gedämpft. Grünenfelder fordert eine Senkung der Steuerlast und mehr Wirtschaftskompetenz in den Behörden. Er sieht das Potenzial zur Dekarbonisierung gegeben, wenn Regulierungen marktnah gestaltet würden.
Die Autobranche ist überzeugt, dass die Transformation nur mit einer CO2-Gesetzgebung gelingen kann, welche Marktrealitäten berücksichtigt. Die Politik sollte Leitplanken setzen und nicht durch Verbote oder Sanktionen hemmen.