Die jüngsten Zahlen des Bundesamts für Statistik beleuchten, welche Gruppen besonders häufig gewalttätig werden und unter welchen Umständen tödliche Gewalt entsteht. Seit Beginn der Erhebungen wurde noch nie in der Schweiz so viele Frauen und Mädchen getötet wie im vergangenen Jahr, wie die kürzlich veröffentlichte polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) zeigt. Die Gesamtzahl der Tötungsdelikte ist angestiegen, wobei Femizide mit 25 Opfern nun rund die Hälfte aller Fälle ausmachen.
Femizide in der Schweiz werden als Tötungen von Frauen durch Partner, Ex-Partner oder nahe männliche Verwandte definiert. Besonders häufig sind dabei ehemalige oder aktuelle Partner beteiligt. Selbst unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums ist die Zahl der Femizide gestiegen: von 0,4 pro 100 000 Frauen im Jahr 2009 (davon 0,2 in Partnerschaftsbeziehungen) auf 0,6 im Jahr 2025, wobei zwei Drittel davon in Beziehungen oder Ex-Partnerschaften stattfanden. Zum Vergleich: In Spanien lag die Rate zuletzt bei 0,25 pro 100 000 Frauen.
Auch andere europäische Länder zeigen ähnliche Tendenzen, wobei die Schweiz zu denjenigen mit höheren Raten gehört. Die Altersverteilung von Tätern und Opfern ist besonders auffällig: Meistens waren beide zwischen 40 und 60 Jahren alt. Diese Phase im Leben beinhaltet sowohl Familiengründungen als auch Scheidungen, die als Risikofaktoren für tödliche Gewalt in Partnerschaften gelten.
Seit 2021 steigt zudem die Zahl der betroffenen Frauen über 60 Jahren, während sie bei unter 15-Jährigen abnimmt. Während der Pandemiejahre 2020 und 2021 waren häufiger Kinder unter 10 Jahren betroffen. Auffällig ist auch der Anstieg älterer Täter: Sechs von ihnen waren 2025 über 70 Jahre alt, doppelt so viele wie noch 2019.
Die Herkunft der Täter zeigt ebenfalls Unterschiede: In absoluten Zahlen stellen Schweizer in den meisten Jahren die Mehrheit dar. Ausländische Täter sind meist Teil der ständigen Wohnbevölkerung, nur wenige sind Asylsuchende. Eine Ausnahme bildete das Jahr 2020, als mehr Ausländer als Schweizer einen Femizid verübten. Relativ gesehen lag die Rate bei ausländischen Tätern jedoch häufig höher, obwohl es Schwankungen gibt.
Frauen mit Migrationshintergrund sind oft stärker gefährdet, da sie häufiger finanziell abhängig und sozial isoliert sind. Dies gilt besonders in traditionellen Gemeinschaften, die patriarchale Strukturen pflegen. Eine Zusatzerhebung zur PKS für 2019 bis 2023 ergab, dass viele Täter Alkohol, Drogen oder Medikamente konsumieren, finanzielle Schwierigkeiten haben oder psychisch erkrankt sind. Häufig zeigen sie vor der Tat bereits Gewalt, und es dauert lange, bis Behörden eingreifen können.
Tötungsdelikte stellen die höchste Eskalationsstufe einer Gewaltspirale dar, die sich in den letzten 16 Jahren verstärkt hat. Fälle häuslicher Gewalt haben um etwa 20 Prozent zugenommen und beinhalten Tätlichkeiten, Drohungen bis hin zu schwereren Verletzungen. Auch bei diesen Delikten sind ausländische Täter überrepräsentiert: Etwa die Hälfte der Straftaten im häuslichen Bereich gehen auf die ständige ausländische Wohnbevölkerung zurück.
Die PKS bietet jedoch keine detaillierten Angaben zu Herkunftsländern, Religion oder persönlichen Umständen, da dies nicht systematisch erfasst wird. Das Bundesamt für Statistik begründet dies mit Datenschutz und erklärt auf Anfrage, dass eine erneute Zusatzerhebung derzeit nicht geplant ist, da der Aufwand zu hoch wäre.