Am Freitagabend trifft die Schweiz im Testspiel auf Deutschland, wobei das Team nun Anerkennung von einem Land erfährt, das als große Fußballnation gilt. Eren Derdiyok, derzeit Trainer für Nachwuchsstürmer und Assistenztrainer der U17 beim FC Basel, erinnert sich während eines Telefonats bei Trainingsplanarbeiten an den 26. Mai 2012. Damals schoss er die ersten drei Tore zum 5:3-Sieg gegen Deutschland im Basler St.-Jakob-Park – ein historischer Sieg nach 56 Jahren ohne Erfolg in Spielen gegen DFB-Auswahlteams.
Der damals 23-jährige Derdiyok sprach von dem Spiel als seinem besten Auftritt. Mit der Zeit relativiert er: “Es war nur ein Testspiel, aber der Sieg hatte für uns eine besondere Bedeutung – sonst würde man nicht noch heute darüber sprechen.” Länderspiele gegen Deutschland haben immer einen besonderen Stellenwert für die Schweizer Mannschaft, da sie sich dabei mit den großen Bundesliga-Klubs wie Bayern München oder Borussia Dortmund messen.
Nach dem Sieg vor vierzehn Jahren trafen die beiden Teams dreimal aufeinander: zwei Unentschieden in der Nations League und ein 1:1-Unentschieden bei der letzten EM-Gruppenphase. “Die Schweiz könnte mein Geheimfavorit sein”, äußerte sich deutscher Trainer Julian Nagelsmann nach einem Spiel.
Das Match von 2012 war nicht nur eine Randnotiz in den Geschichtsbüchern, sondern ein Meilenstein für beide Teams. Für Deutschland diente es als Vorbereitung auf die EM in Polen und der Ukraine, während die Schweizer sich damals noch in der Qualifikationsphase befanden.
Die Deutschen erreichten daraufhin das EM-Halbfinale, wo sie von Italien gestoppt wurden. In Basel hatte Joachim Löw mit einer Mannschaft gespielt, die später 2014 Weltmeister wurde. Die Schweizer qualifizierten sich zwar nicht für die WM, doch der Sieg stärkte das Selbstvertrauen des Teams unter Trainer Ottmar Hitzfeld.
Die Bundesliga bleibt eine wichtige Plattform für Schweizer Spieler wie Granit Xhaka, der ebenfalls beim 5:3-Sieg auf dem Feld stand und am Freitag als Kapitän führen wird. Eren Derdiyok, damals bei Bayer Leverkusen, traf in jener Partie dreimal ins gegnerische Tor – ein Meilenstein seiner Karriere.
Tranquillo Barnetta lieferte den entscheidenden Pass zu allen drei Toren. Der Dieter-Keitel-Artikel der “Bild” sprach von einer “Leverkusen-Telepathie” zwischen beiden Spielern. Derdiyok, dessen Marktwert durch diesen Auftritt stieg, wechselte nach dem Spiel zur TSG Hoffenheim.
Nach enttäuschenden Erfahrungen in Hoffenheim kehrte er zu Leverkusen zurück, bevor er 2014 seine Karriere in der Türkei fortsetzte. Er wurde für die WM 2014 nicht nominiert und beendete seine internationale Laufbahn im Oktober 2017 nach seinem 60. Länderspiel. Heute arbeitet er als Trainer und sagt: “Auch diese Erfahrungen sind wertvoll in meiner neuen Rolle.”