Benedikt Roos, neuer Armeechef und Korpskommandant, gibt nach knapp hundert Tagen im Amt ein realistisches Lagebild ab: Die wachsende Bedrohung steht in Kontrast zu den begrenzten Mitteln der Armee. Roos betont die Notwendigkeit, dass sich die Schweiz nicht in falscher Sicherheit wiegt.
In einer Medienrunde auf dem Waffenplatz Thun präsentiert Roos seinen Slogan: “Zusammen vorwärts” als Versuch, das Gemeinschaftsgefühl wiederzubeleben, sowohl innerhalb der Armee als auch im ganzen Land. Er beginnt seine Ausführungen mit einem Rückblick auf die Zeit des Kalten Krieges und den damaligen Sicherheitsstrategien der Abschreckung.
Roos erkennt eine heutige multipolare Welt an, in der Machtpolitik offen zutage tritt. Konflikte wie jene in der Ukraine und im Nahen Osten dienen ihm als Beispiele dafür. Obwohl Panzer nicht unmittelbar an der Schweizer Grenze stehen, betont Roos die Verbindung der Schweiz zu Europa: “Was Europa gefährdet, gefährdet auch uns.” Sollte Russland erneut militärisch vorgehen, könnte das Land als rückwärtiger Raum dienen – wie sich an der Lage in der Ukraine zeigt. Die Schweizer Infrastruktur ist eng mit den Nachbarn verknüpft und bedarf des Schutzes.
Roos weist auf mangelnde Verteidigungssysteme gegen Luftbedrohungen hin, ein Thema, das im Parlament während der Sommersession 2026 erörtert wird. Der Bundesrat plant, die Mehrwertsteuer um 0,8 Prozentpunkte zu erhöhen, um die notwendigen Mittel von rund 31 Milliarden Franken aufzubringen. Roos sieht die Gesellschaft in der Pflicht und wirft die Frage auf: “Sind wir bereit, für einen Liter Milch drei Rappen mehr zu bezahlen?” Er betont, dass die Bedrohung nicht an das Budget angepasst werden kann.
Die Schweizer Miliz ist Roos zufolge eine Geheimwaffe. Die Soldaten verdienen Respekt und müssen angemessen ausgestattet sein. In den nächsten Jahren könnten die Mittel noch knapper werden, wie SRF berichtet: Die USA umgingen einen Zahlungsstopp für die Patriot-Flugabwehrsysteme der Schweiz.
Rechtlich legitimiert, aber politisch unbefriedigend, so Rüstungschef Urs Loher. Der Konflikt könnte sich verschärfen, da die USA selbst hohe Bedürfnisse haben und aufgrund des Iran-Konflikts in der Defensive sind.
Roos stellt klar: Die Schweiz ist nicht prioritär für den US-Rüstungsmarkt und liegt auf Rang 13. Dies unterstreicht er als “bittere Erkenntnis” – wirtschaftlich bedeutend, geopolitisch jedoch von begrenztem Gewicht. Sein Fokus liegt darauf, die Schweiz sicherer zu machen, weniger darauf, mehr Geld für die Armee einzufordern.