Bürgermeister Hanna Daher von Klayaa zeigt trotz des Geschützfeuers, das aus dem Tal dröhnt, Optimismus. Er unterhält sich scherzend mit jungen Männern im Rathaus seines kleinen christlichen Dorfes, das nur vier Kilometer von der israelischen Grenze entfernt liegt. Im Süden Libanons ist die Lage angespannt: \”Wir sind umgeben vom Hizbullah auf drei Seiten und von Israel auf einer\”, erklärt der 68-Jährige bei Kaffee und Zigaretten. Sein hölzerner Schreibtisch ziert eine Marienstatue, im Hintergrund weht die libanesische Flagge.\n\nBislang wurde Klayaa zweimal durch israelische Bombardierungen getroffen; hinzu kommen Einschläge von Hizbullah-Geschoßen und Schrapnell. \”Wer auch immer schießt, es trifft uns\”, kommentiert der Bürgermeister mit bitterem Lachen.\n\nGewehrfeuer aus dem benachbarten Dorf Khiam erreicht Klayaa, das als Hochburg des Hizbullah gilt. Rauchwolken von Explosionen steigen auf, Drohnen und Kampfflugzeuge durchkreuzen den Himmel. Seit der Eskalation vor rund drei Wochen, ausgelöst durch Raketenangriffe des Hizbullah auf Israel, bombardiert die israelische Armee Stellungen der Schiitenmiliz.\n\nÜber eine Million Libanesen sind seit Kriegsbeginn geflohen, viele davon Christen, Sunniten und Drusen aus dem Süden. Doch Hunderte bleiben zurück. Der Mangel an Trinkwasser in Klayaa nach einem israelischen Angriff auf die Wasserversorgung verschärft ihre Probleme.\n\nTrauer erfüllt das Dorf um Priester Pierre al-Rai, der am 9\. März durch eine Panzergranate getötet wurde. Die IDF bestätigt den Einsatz gegen \”bewaffnete Terroristen\”, verspricht Untersuchungen und bedauert zivilen Schaden.\n\nDaher betont die Zusammenarbeit mit Israel in der Vergangenheit, als er zusammen mit christlichen Milizen gegen den Hizbullah kämpfte. Doch heute sieht er diese Gruppierung für die Misere verantwortlich: \”Indem sie Israel bekämpfen, schaden sie uns.\” Ein Ende des Konflikts mit Israel sei dringend notwendig.\n\nIn Hasbaya, zehn Kilometer von der Front entfernt, zeigt Erzbischof Elias Kfoury Unmut über israelische Angriffe. Auch hier leiden alle Bewohner unter den Auswirkungen des Konflikts.\n\nMarjayoun ist gespenstisch leer und die Nerven der Einwohner angespannt. Hussein Shaghouri, ein lokaler Sunnit, will nicht fliehen: \”Ich möchte lieber in meinem Haus sterben als wie ein Flüchtling leben.\” Trotz der Gefahr wünschen sich die Bewohner nur Frieden.