Nach seiner Zeit als fünfter Chef der Armee tritt Thomas Süssli nun erstmals mit dem Ziel an, ins Bundeshaus zu wechseln. Der Quereinsteiger, der zuvor bei der Credit Suisse und Bank Vontobel tätig war, hatte während seiner Militärzeit innovative Impulse gesetzt, wie die damalige Verteidigungsministerin Viola Amherd hervorhob. Seine Amtszeit als Armeechef wurde jedoch nicht ohne Herausforderungen erlebt; er kritisierte in der NZZ, dass seine Ideen teilweise an der Militärverwaltung gescheitert seien und sprach über die Nachteile eines Quereinsteigers wie geringere Akzeptanz. Trotz solcher Schwierigkeiten tritt Süssli nun mit dem Vorhaben hervor, sich bei den kommenden Wahlen für einen Nationalratssitz der FDP in Luzern zu bewerben.
Süssli trat im vergangenen Jahr der FDP bei und folgte drei Monate nach seinem Ausscheiden als Armeechef mit seiner Kandidatur. Obwohl er der erste ehemalige Chefsoldat ist, der sich für ein politisches Amt bewirbt, überrascht diese Entscheidung angesichts seines außergewöhnlichen Werdegangs weniger.
Historisch gesehen haben einige Schweizer Oberbefehlshaber wie General Guillaume Henri Dufour oder General Henri Guisan politische Ämter übernommen. Süssli führte die Armee durch besondere Zeiten, darunter eine große Mobilmachung während der Corona-Pandemie und warnte kontinuierlich vor den geopolitischen Herausforderungen sowie der schlechten Ausrüstung der Schweizer Armee. Mit dem Veröffentlichung des „Schwarzen Buches“ plädierte er für die Wiederaufrüstung.
Süssli sieht sich jedoch nicht als Nachfolger von Dufour oder Guisan und erkennt die Unterschiede zur heutigen Zeit an. Seine Bemühungen, eine umfassende Aufrüstungsstrategie durchzusetzen, blieben bisher ohne Erfolg, was ihn schließlich dazu veranlasste, sich der Politik zuzuwenden.
Im Kanton Luzern ist ein zusätzlicher Sitz bei den nächsten Wahlen zu besetzen. Der momentane FDP-Nationalrat Peter Schilliger tritt nicht wieder an, während Thierry Carrel als Gemeinderat ebenfalls eine Kandidatur plant. Süssli steht also vor der Wahl: Entweder sich gegen Carrel durchzusetzen oder einen zweiten Sitz für die Luzerner FDP zu gewinnen.