Drei Mal bereits war Mexiko als Gastgeber der Fußball-WM aktiv, doch diesmal wird das Interesse durch Gewaltwellen und hohe Ticketpreise gedämpft. Im Vorort Zapopan fand ein Play-off-Spiel zwischen Jamaika und Neukaledonien statt, bei dem Jamaika mit 1:0 gewann und sich am Dienstag gegen Kongo für die WM 2026 qualifizieren könnte. Die Austragungsorte in Kanada, den USA und Mexiko stehen bereits fest.
Trotz eines launigen Publikums im “Vulkan”-Stadion von Chivas Guadalajara, das aufgrund günstiger Tickets ausverkauft war, blieben viele Sitze leer wegen massiver Verkehrsprobleme. Die Anfahrt dauerte bis zu zwei Stunden für die 15 Kilometer vom Stadtzentrum zum Stadion.
Gleichzeitig gewann Bolivien in Monterrey gegen Surinam und könnte am Dienstag noch ein WM-Ticket gegen den Irak ergattern. In der kommenden Woche wird Mexikos Nationalteam das umgebaute Aztekenstadion mit einem Spiel gegen Portugal einweihen, wobei alle drei mexikanischen Stadien ihre letzten Tests absolvieren werden.
Das historische Jalisco-Stadion in Guadalajara, eröffnet 1952, ist für seine Vergangenheit bekannt: Hier spielte Brasilien an den WM-Turnieren 1970 und 1986 insgesamt elfmal. Beim Turnier 1970 besiegte das “Wunderteam” England, und 1986 gewann die deutsche Mannschaft gegen Frankreich in einem hitzigen Viertelfinale.
In diesem Jahr werden vier Gruppenspiele im neueren Akron-Stadion stattfinden. Tickets für Spiele wie Spanien gegen Uruguay kosten bis zu 3000 Dollar, und Hotels haben ihre Preise stark erhöht. Die hohe Kosten verursachen Unmut bei den Einheimischen, deren Stadt unter Wasserproblemen und täglicher Gewalt leidet.
Jalisco, Heimat des mächtigen Kartells Jalisco Nueva Generación, ist von Morden und Entführungen geprägt. Nach dem Tod seines Anführers „El Mencho“ Ende Februar griff die Bande Polizeistationen an. Lokale Sicherheitskräfte sind sichtbar nur in der Nähe des Akron-Stadions präsent.
Die Gewalt hat Angst und Leere hinterlassen, Restaurants klagen über fehlende Kunden. Präsidentin Claudia Sheinbaum versprach verstärkte Sicherheit, doch die Präsenz von Polizei und Militär bleibt gering. Drogenhändler bieten weiterhin ihre Waren im Zentrum an.
Héctor Águila Carvajal kritisiert den Fokus der Sicherheitskräfte auf Touristen: „Um die Touristen zu schützen, schicken sie Soldaten. Warum nicht, um meinen Sohn zu suchen?“ Im Bundesstaat Jalisco gibt es die meisten Vermisstenfälle in Mexiko – 16.000 laut Regierung oder über 25.000 nach Angaben von Suchkollektiven.
Nachdem bei Bauarbeiten nahe des Akron-Stadions menschliche Überreste entdeckt wurden, stieß ein Skandal auf, als Behörden und Sicherheitskräfte die Wahrheit verschwiegen hatten. Aktuell wird diskutiert, Steckbriefe von Vermissten zu verbieten, um Guadalajara positiv darzustellen – eine Entscheidung, die den Hinterbliebenen das Gefühl gibt, dass ihre Kinder ein zweites Mal sterben.