Die University of Austin in Texas präsentiert sich als das «Anti-Harvard» und befindet sich nicht auf einem traditionellen Campus, sondern in einem ehemaligen Kaufhaus an der berühmten Sixth Street in Austin. Unten gibt es texanische Restaurants, während die oberen Etagen dem geistigen Streben dienen.
Sobald man das Atrium betritt, ist man von einer Atmosphäre umgeben, die eher an die USA des vergangenen Jahrhunderts erinnert: Ledermöbel, dicke Teppiche und Ölgemälde im Stil von Norman Rockwell. Ein großer amerikanischer Flaggenmast ragt in den Raum, während ein Schachbrett und Bücher der alten Philosophen auf die Tische verteilt sind. Studenten diskutieren hier über Benjamin Franklins Moralvorstellungen.
Die Universität definiert sich als Institution der Zukunft und will gegen alles vorgehen, was an den rund 4000 akkreditierten US-Universitäten kritisiert wird: von linken Protesten, die den Unterricht stören, über das Verbot konservativer Redner bis hin zu hohen Studiengebühren. Umfragen zeigen zudem, dass viele Studenten ihre politischen Ansichten auf dem Campus verschweigen.
Im Jahr 2021 gründeten bedeutende Konservative wie Joe Lonsdale und Bari Weiss die University of Austin at Texas (UATX). Sie wählten den Shakespeare-Experten Pano Kanelos als Rektor, um das Projekt zu realisieren. Ihr Motto lautet: «Dare to think» – «Wage es, zu denken».
Um eine breite Palette an Meinungen zu fördern, rekrutierte man Dozenten, die andernorts zensiert wurden. Ein Beratergremium mit diversen Persönlichkeiten wurde aufgebaut, und Austin als Standort ausgewählt, da es ein Zentrum für Technologie und Arbeit ist.
Die Marketingstrategie der UATX war provokativ: Videos zeigten brennende Flaggen auf dem Campus und das Versprechen «They burn, we build». Mit einem Budget von 200 Millionen Dollar, gesammelt unter anderem durch konservative Milliardäre, konnte die Universität ein kostenloses Studium anbieten. Dies ist in den USA einzigartig.
Um Studenten zu gewinnen, führte die UATX eine Vortragsreihe mit namhaften Tech-Investoren durch und forderte Bewerber auf, unpopuläre Ansichten zu verteidigen. Der erste Jahrgang traf sich im Herbst 2024.
18 Monate später sind rund 150 Studenten aktiv. Sie absolvieren einen einzigen Abschluss in Liberal Arts und haben die Freiheit, ein breites Spektrum an Fächern zu wählen. Die meisten Studenten wohnen einige Gehminuten entfernt und erhalten finanzielle Unterstützung.
Eitan Zarin, einer der ersten Studenten, schätzt die offene Diskussionskultur trotz Einschränkungen bei politischen Themen. Andere bestätigen eine vorwiegend rechte Ausrichtung unter den Dozenten und Gästen.
Die Frage, ob die UATX tatsächlich Meinungsvielfalt fördert, wird kontrovers diskutiert. Eine Untersuchung von «Politico Magazine» deutet darauf hin, dass die Universität ähnliche Probleme wie linke Hochschulen aufweist.
Rektor Carlos Carvalho betont die proamerikanische und traditionelle Ausrichtung des Lehrplans, während er zugleich behauptet, es gebe keine ideologischen Tests für Dozenten. Grossspender haben zwar Einfluss, bestimmen aber nicht den Lehrplan.