Ein Monat nach den ersten Luftangriffen auf Teheran werden die Auswirkungen des Konflikts spürbarer. Besonders betroffen ist eine Region, die als wichtiges Drehkreuz galt, nun aber um ihre Zukunft kämpft.
Zur Erinnerung: Der Swiss-Flug LX 242 startet in Zürich um 12:55 Uhr und landet nach fünf Stunden Flugzeit. Ähnlich verhielt es sich mit dem Lufthansa-Flug LH 630 aus Frankfurt, der bis zum 28. Februar planmäßig operierte.
Aufgrund des Konflikts hat die Lufthansa jedoch angekündigt, den Flugbetrieb nach Dubai bis Ende Mai einzustellen. Dies markiert einen dramatischen Einschnitt für die Luftfahrtindustrie: Tausende Verbindungen fallen weg, Ticketpreise steigen aufgrund erhöhter Kerosinpreise und gestiegener Nachfrage. Die Aktienkurse der Airlines haben zwischen 20 und 30 Prozent an Wert verloren, was von der “Financial Times” als die schwerste Krise seit der Pandemie bezeichnet wurde.
Der Golf war einst eine zentrale Drehscheibe für den Luftverkehr zwischen Europa und Asien. Vor dem Krieg fanden rund ein Drittel aller Flüge über diese Region statt, bei Verbindungen nach Indien lag dieser Anteil sogar bei etwa der Hälfte. Obwohl die Hauptflughäfen wieder geöffnet haben, gibt es immer wieder Störungen durch Drohnenangriffe aus dem Iran.
Der Flughafen in Dubai verzeichnete zuletzt nur 2600 Starts und Landungen pro Woche – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den vorherigen 9000 wöchentlichen Bewegungen. Vor dem Krieg hatte der Flughafen einen Rekord für das Jahr 2025 mit über 95 Millionen Passagieren gemeldet, eine Zahl, die Frankfurt und Zürich zusammen nicht erreichen.
Dubai hatte auch für dieses Jahr eine Steigerung auf knapp unter 100 Millionen Passagiere prognostiziert. Um dem entgegenzuwirken, sollte der Ausbau des neuen Flughafens World Central beschleunigt werden. Auch Abu Dhabi hatte mit 33 Millionen Reisenden im vergangenen Jahr ein Rekordjahr erlebt.
Die Zahl der Flüge ist jedoch deutlich gesunken: In Abu Dhabi sind die Bewegungen um die Hälfte zurückgegangen, in Doha sogar noch stärker. Aktuell bedienen vor allem Emirates, Etihad und Qatar Airways diese Region, während Lufthansa, Swiss oder Eurowings sich bis Oktober aus bestimmten Routen zurückziehen.
Trotz der Herausforderungen bleibt Dubai laut Linus Bauer, einem Berater in der Luftfahrtbranche, robust. Die Stadt habe ihre Rolle als globaler Knotenpunkt behalten können, obwohl die Betriebsstabilität gelitten hat. Für Passagiere bedeutet das mehr Unsicherheit bei Flugplänen.
Bauer glaubt nicht an eine langfristige Schwächung der Drehkreuze am Golf; ihre strategische Lage bleibt ein Vorteil. Langfristig könnte jedoch die Etablierung alternativer Routen möglich sein, falls Unsicherheiten andauern.
In Reaktion auf den erhöhten Kerosinpreis haben Airlines wie United und SAS bereits Flüge gestrichen oder das Angebot reduziert. Auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht sich durch die Subventionierung der Golf-Airlines im Wettbewerb benachteiligt.
Die Folgen für Reisende sind deutlich: Höhere Preise, längere Flugzeiten und gelegentliche Verspätungen. Scott Kirby von United Airlines geht sogar davon aus, dass Zuschläge von 20 Prozent nicht ausreichend sein könnten. Trotz Treibstoffkostenabsicherung bleibt Lufthansa gezwungen, Preise zu erhöhen.
Berater Bauer betont, dass Reisende nun mehr Flexibilität und Aufmerksamkeit benötigen. Das System funktioniert weiterhin, doch nicht mit der früheren Präzision.