Harry Lighton präsentiert mit seinem Film «Pillion» eine schwule Liebesgeschichte, die sich um Unterwerfung dreht und dabei Klischees überwindet. Inspiriert von Adam Mars-Jones’ Roman «Box Hill», spielt der Film in den 1970er Jahren und porträtiert eine SM-Romanze zwischen einem jungen Mann und einem erfahrenen Biker. Der Film ist zugleich freizügig, zärtlich und humorvoll.
Colin (Harry Melling), ein schüchterner junger Mann, lebt noch zu Hause, singt im Barbershop-Quartett mit seinem Vater und arbeitet als Parkplatzkontrolleur. Seine Begegnung mit dem Biker Ray (Alexander Skarsgård) führt zu einer intensiven Beziehung auf der Basis von Dominanz und Unterwerfung. Die Eltern Colins, die sich mit Krebs auseinandersetzen müssen, zeigen überraschend Offenheit für diese ungewöhnliche Liebesgeschichte.
Die Dynamik zwischen Colin und Ray entwickelt sich zu einer Romanze, in der kalkulierte Machtverhältnisse eine zentrale Rolle spielen. Rays Einschätzung von Colins «Begabung für Unterwürfigkeit» führt dazu, dass er ihn bei sich aufnimmt und ihm Aufgaben überträgt, die ihre Bindung vertiefen. Das Cannes-Festival würdigte «Pillion» mit einem Preis in der Sektion «Un Certain Regard», was Lightons empathischen Ansatz unterstreicht.
Ein Höhepunkt des Films ist ein Ausflug einer Gruppe schwuler Biker, bei dem Colin und andere Subs auf Gartentischen platziert werden. Diese Szene illustriert den Filmtitel «Pillion» als Metapher für den devoten Part. Im Vergleich zu Kenneth Angers Kurzfilm «Scorpio Rising», der in den 1960ern die schwule Biker-Szene thematisierte, zeigt Lightons Film eine moderne Perspektive auf Subkultur und deren Annäherung an den Mainstream.
Obwohl mit namhaften Schauspielern besetzt, bleibt «Pillion» unverfälscht und vermeidet es, sich kommerziellen Logiken zu unterwerfen. Der Film bietet einen tiefen Einblick in eine Welt, die eigenen Regeln folgt, ohne dabei provokativ zu sein. Als Colin nach mehr Alltagselementen verlangt, werden die Komplexitäten ihrer Rollen deutlich.
«Pillion» lädt das Publikum ein, sich auf eine ungewöhnliche und fesselnde Liebesgeschichte einzulassen, in der die Dynamik zwischen Dominanz und Unterwerfung mit Einfühlungsvermögen und Humor erzählt wird. Der Film ist im Kino zu sehen (106 Minuten).