Einige deutsche Unternehmensführer, darunter Spitzenmanager der Fluggesellschaft Lufthansa, haben die jüngsten Kursrückgänge genutzt, um Anteile ihrer Unternehmen zu erwerben. Anleger könnten sich fragen, ob es sich lohnt, diesen Insidern zu folgen.
Der Konflikt am Persischen Golf, ausgelöst durch US- und israelische Angriffe auf den Iran seit dem 28. Februar, wirbelt die Finanzmärkte durcheinander. Viele Aktienkurse sind deutlich gefallen. Die Dauer der Kampfhandlungen sowie deren Auswirkungen auf die Schifffahrtsroute von Hormuz bleiben ungewiss. Ein Führungskraft eines Rohstoffunternehmens warnte, dass in Asien und später auch in Europa bald Versorgungsengpässe drohen könnten.
Trotz der Unsicherheiten haben einige Manager ihre Position genutzt, um Aktien für ihr Privatvermögen zu kaufen. Diese Insider verfügen über tiefgehende Kenntnisse über das Geschäft ihrer Unternehmen. In Deutschland müssen solche Transaktionen gemeldet werden, inklusive der Veröffentlichung der Namen durch die Finanzaufsicht Bafin.
Besonders auffällig ist die Aktivität bei der Deutschen Lufthansa: Seit Ende Februar verlor das Papier mehr als 10 Prozent. CEO Carsten Spohr investierte rund 75.000 Euro am 19. März zu einem Durchschnittskurs von 7,52 Euro. Finanzvorstand Till Streichert legte zehn Tage vorher etwa 250.000 Euro bei einem Kurs von 7,75 Euro an. Der Aufsichtsrat Karl Gernandt erwarb am 6. März zu 8,10 Euro knapp 90.000 Euro. Im Vergleich: Vor dem Konflikt notierte die Lufthansa-Aktie bei etwa 9,09 Euro.
Die Fluggesellschaft ist von steigenden Energiekosten und Flugausfällen betroffen. Sie hat jedoch vorsorglich rund 80 Prozent ihres Kerosinbedarfs für 2026 und circa 40 Prozent für 2027 abgesichert, was sie besser stellt als viele Konkurrenten. Allerdings wurde das Hedging in der jüngsten Preisspitze vorübergehend ausgesetzt.
Lufthansa plant zudem, mehrere Flughäfen im Nahen Osten über Monate nicht anzusteuern und erwartet positive Nachfrageeffekte auf anderen Routen. Sollte es zu Kerosin-Unterbrechungen in Asien kommen, könnte dies das Geschäft beeinträchtigen. Der Konzern bereitet sich zudem auf die Osterferien vor.
Der Konzern plant weiteres Wachstum und Investitionen, darunter neue Kapazitäten in Frankfurt und München. Die Lufthansa-Aktie wird aktuell mit dem 6-Fachen des für zwölf Monate geschätzten Gewinns gehandelt, doch ein längerer Krieg könnte erhebliche Risiken bergen.
Neben der Lufthansa wurden auch bei MTU Aero Engines und Fresenius Aktien gekauft. Beide Unternehmen haben ihre Preise seit dem Konfliktbeginn deutlich reduziert. Analysten sehen MTU als langfristigen Wertsteigerer, trotz eines niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 17, während Fresenius mit einem KGV von 12 ebenfalls attraktiv erscheint.
Weitere Insiderkäufe gab es bei Adidas, Bayer, Heidelberg Materials, LEG Immobilien und anderen. Der Patrizia-Chef Asoka Wöhrmann investierte etwa 370.000 Euro, während Ludwig Merckle über seine Firma Spohn Cement Anteile von Heidelberg Materials für rund 26 Millionen Euro erwarb.
Quelle: The Market NZZ