Die Frontlinie bewegt sich wieder etwas, doch ein entscheidender Durchbruch bleibt unwahrscheinlich. Die Kriegsparteien versuchen daher, den Konflikt im Nahen Osten mit dem in Europa zu verknüpfen.
Ende Dezember 2025 besetzte Russland Huliaipole und fand dort intakte Führungssysteme der ukrainischen Territorialverteidigung vor. Die russische Propaganda nutzte dies, um die Lage als Zeichen der Schwäche der Ukraine darzustellen.
Im März gelang es jedoch der ukrainischen Armee, einen Vorstoß in Huliaipole zu machen und Terrain zurückzugewinnen – trotz der Übermacht Russlands. Die Eskalation im Nahen Osten hat den Ukrainekrieg zwar etwas aus dem Rampenlicht gedrängt, die Intensität jedoch nicht gemindert.
Beide Seiten versuchen nun, aus der Stagnation herauszukommen und operieren in unterschiedlichen Kampfräumen: Die Ukraine greift im Südwesten an, Russland startet eine Offensive im Donbass. Diese Offensive ist zwar kostspielig für die Angreifer, zeigt aber wenig Erfolg.
Die ukrainischen Gegenangriffe binden russische Kräfte und führen zu Truppenverlagerungen. Möglich sind diese Vorstöße teilweise durch die Nutzung der Starlink-Satellitenkommunikation, nachdem Elon Musk dies nur noch Kiew erlaubt hat.
Die Abnutzungsschlacht geht weiter, und ein Durchbruch ist in absehbarer Zeit weder im Donbass noch bei Saporischja wahrscheinlich. Der Kampf zieht sich zurück auf den logistischen Bereich, wo der Nachschub zunehmend schwieriger wird.
Der Luftkrieg folgt ebenfalls der Logik der gegenseitigen Abnutzung und betrifft insbesondere die Energieinfrastruktur. Die Ukraine nutzt ihre Flamingo-Marschflugkörper, um tief in russisches Territorium vorzudringen, was Sergei Schoigu zufolge Sicherheit in Russland untergräbt.
Die technologische Entwicklung und der Widerstand der Ukraine machen eine direkte militärische Entscheidung unwahrscheinlich. Kiew nutzt die Lage im Nahen Osten, um seine Position zu stärken, während Moskau auf den amerikanischen Präsidenten Trump setzte.
Die Ukraine bietet nun ihre Drohnenabwehr-Expertise an und hat ein Flugabwehrabkommen mit Saudi-Arabien geschlossen. Russland versucht, Teheran bei hohen Ölpreisen nicht zu verärgern, während Europa zwischen den Fronten gerät.
Europa wird zunehmend zum Gefechtsfeld eines komplexen Stellvertreterkriegs mit unklaren Akteursrollen. Iran drohte zuletzt mit Raketenangriffen auf britische Basen als Warnung an Europa, während Trump die Nato zur Unterstützung seines Kurses im Nahen Osten drängt.
Russland nutzt diese europäische Unsicherheit aus und sorgt mit uneindeutigen Kriegsführungsmethoden für Unruhe unter den ukrainischen Verbündeten. Die US-Bedrohungsanalyse warnt vorsichtig vor einer erweiterten russischen Bedrohung.
Die Friedensverhandlungen laufen weiter, während die geopolitische Lage eng mit dem Bodenkrieg verknüpft ist. Kiew spekuliert auf eine strategische Schwächung Trumps durch den Iran-Krieg und hofft auf mehr Unterstützung des Kongresses.
Ein möglicher Ausgleich zwischen Trump und Moskau bleibt jedoch nicht ausgeschlossen, insbesondere nach Annäherungen mit Weissrussland. Der ukrainische Erfolg bei Huliaipole erinnert Europa daran, dass die Ukraine eine entscheidende Verteidigungslinie gegen russische Aggressionen bildet.