Um das Jahr 2050 könnte die Schweiz dank Axpo mit Strom aus neu gebauten Kernkraftwerken versorgt werden. Doch dieser Weg ist von zahlreichen Herausforderungen geprägt. Zunächst muss das Stimmvolk über einen Grundsatzentscheid zur Kernenergie befinden, wobei politische Beratungen bereits im Gange sind und eine Volksabstimmung im kommenden Jahr erwartet wird.
Sollte sich die Bevölkerung für den Bau neuer AKW entscheiden, würde die Planungsphase starten. Laut Axpo belaufen sich die Kosten hierfür auf 100 Millionen Franken. Martin Koller, Chefstratege bei der Axpo, schätzt, dass diese Phase sieben bis zehn Jahre dauern könnte und in dieser Zeit verschiedene Aufgaben erledigt werden müssen, darunter die Erarbeitung der Rahmenbewilligung sowie Ausschreibungen für Detailplanungen.
Die von der Axpo genannten Planungskosten von 100 Millionen Franken erscheinen angesichts des Vergleichs mit anderen Bauprojekten relativ niedrig. So beliefen sich etwa die Planungskosten für den zweiten Röhrenbau beim Gotthard-Strassentunnel auf rund 200 Millionen bei Gesamtkosten von über zwei Milliarden Franken. Die Axpo veranschlagt die Baukosten eines neuen Kernkraftwerks zwischen sieben und zehn Milliarden, wobei die genannten 100 Millionen für die Projektentwicklung bis zur Rahmenbewilligung gelten.
Diese Summe schließt nicht die Kosten ein, die bei den Lieferanten anfallen. Zudem fallen nach der Erteilung der Rahmenbewilligung weitere hunderte Millionen Franken für Planungen in der Realisierungsphase an. Die 100 Millionen Franken sind somit nur eine erste Rate der gesamten Planungskosten.
Selbst wenn die Axpo das Projekt bis zur Rahmenbewilligung vorantreibt, gibt es keine Garantie, dass ein Bau tatsächlich stattfinden wird; auch hier könnte es zu einer Volksabstimmung kommen. Ein negatives Votum würde alle bisherigen Planungen zunichtemachen, wie Martin Koller hervorhebt und auf die Unterbrechung der Bauprojekte nach Fukushima 2011 verweist.
Die Axpo empfiehlt daher eine staatliche Absicherung schon während der Planungsphase. Drei Modelle werden vorgeschlagen: etwa, dass der Staat als Bauherrin auftritt und die Arbeiten an Private auslagert. Christian Wasserfallen von der FDP sieht in der Unterstützung durch den Bund für Kernenergieprojekte keine Überraschung; Investitionsbeiträge seien erforderlich.
Ganz anders urteilt Gabriela Suter, SP-Nationalrätin und Vizepräsidentin des Verbands Swissolar: Sie kritisiert die Forderung nach staatlicher Absicherung als Indiz für das wirtschaftliche Risiko des Projekts. Die Kosten würden auf Steuerzahler und Stromkonsumenten abgewälzt, so ihre Befürchtungen.
Die Diskussion um die 100 Millionen Franken an Planungskosten verdeutlicht die Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung über neue Kernkraftwerke. Die Axpo geht in ihrem Bericht ausführlich auf diese Risiken ein und betont, dass viel zusammenpassen müsse.