Zunächst schien das Schicksal des Buckelwals in der Ostsee ein positives Ende nehmen zu können, doch nun steckt er erneut fest. Die Chancen auf sein Überleben sind nach Einschätzung vor Ort deutlich gesunken. Das Tier wurde Anfang März in der deutschen Ostsee entdeckt – eine Region, die wenig Nahrung bietet und durch niedrigen Salzgehalt sowie starken Schiffsverkehr geprägt ist.
Bereits seit über einer Woche befindet sich das Tier wiederholt auf Sandbänken. Zuerst wurde es am Timmendorfer Strand befreit, jedoch liegt es nun in der Wismarer Bucht und zeigt einen schlechten gesundheitlichen Zustand an. Das Medienecho um den Wal ist enorm: Die «Bild»-Zeitung berichtet gar von Diskussionen über Sterbehilfe. Der Fall zieht Aufmerksamkeit bis ins Ausland, wie die Berichterstattung in der «New York Times» zeigt.
Das Interesse am Buckelwal erklärt Nico Müller, Philosoph und Präsident von Animal Rights Switzerland, durch seine Sichtbarkeit und Medienattraktivität. Solche Geschichten mit klaren Protagonisten, einer starken Bildsprache und Heldinnen und Helden erzeugen in den Medien viel Aufmerksamkeit. Auch im Jahr 2022 sorgten gestrandete Wale in der Bretagne für großes Interesse.
Die «Bild»-Zeitung hat dem Wal sogar einen Namen gegeben: «Timmy», eine Anspielung auf seinen ersten Strandenort. Nico Müller beschreibt den Buckelwal als ein charismatisches Wildtier, dessen Rettung von Expertinnen und Aktivisten mit großem Einsatz verfolgt wird.
Müller sieht die Situation als tiermedizinischen Notfall und betont, dass eine Behandlung so lange sinnvoll ist, wie noch Hoffnung besteht. Derzeit gibt es keine weiteren Rettungsversuche. Unser kulturelles Bild von Tieren variiere stark: Während wir Wale häufig als intelligent und freundlich wahrnehmen, betrachten wir andere Tierarten oft negativ.
Das Drama um den Wal spiegelt auch unsere Empathie gegenüber verschiedenen Lebewesen wider. Müller fordert mehr Mitgefühl für alle Tiere, was jedoch oft Interessenskonflikte mit sich bringt. Im Vergleich zum Walschicksal sei das Schicksal von Hühnern in der Massentierhaltung weniger beachtet.